Experten der Deutschen Bahn (DB) untersuchen, warum sich auf der Stadtbahn in der Berliner Innenstadt am Mittwoch innerhalb von wenigen Stunden drei Schienenbrüche ereignet haben. Es ist eine Häufung, die niemand erwartet hat und die Experten Rätsel aufgibt. In allen drei Fällen war die S-Bahn-Strecke betroffen, die erst im Sommer aufwändig saniert worden ist.

Der erste Schienenbruch wurde am Morgen in der Nähe des S-Bahnhofs Tiergarten festgestellt. Kurz vor 11 Uhr meldete die S-Bahn einen zweiten Schienenbruch, diesmal im Bereich des S-Bahnhofs Friedrichstraße. Nicht einmal eine Stunde später brach eine S-Bahn-Schiene am S-Bahnhof Jannowitzbrücke. In allen drei Fällen kam es zu erheblichen Störungen des S-Bahn-Verkehr auf der Ost-West-Trasse.

Auf den Linien S5, S7 und S75 musste der Verkehr eingeschränkt werden. Sie konnten nicht mehr auf ganzer Länge befahren werden, es kam auch zu Verspätungen. Betroffen waren mehrere zehntausend Fahrgäste. Wie die S-Bahn gegen 11.30 Uhr bekanntgab, dauern die Störungen auf den drei Linien an. So verkehrt die stark frequentierte S7 zwischen Ostbahnhof und Zoo nur im 20-Minuten-Takt.

Die betroffene S-Bahn-Strecke in der Innenstadt war im Sommer erneuert worden. So wurden zwischen Ostbahnhof und Zoo 32 Kilometer Schienen ausgetauscht und durch neue ersetzt. Dafür wurde die Stadtbahntrasse vom 14. Juli bis 25. August in zwei Abschnitten für den S-Bahn-Verkehr gesperrt. Fahrgäste mussten andere Verkehrsmittel nutzen, zusätzlich umsteigen und längere Fahrzeiten in Kauf nehmen. Ihnen wurde gesagt, dass es sich lohne, die Einschränkungen auf sich zu nehmen, weil nach der Sanierung 15 bis 20 Jahre lang keine größeren Bauarbeiten mehr erforderlich sind.

Schienen können aus unterschiedlichen Gründen brechen, sagte ein Eisenbahner. Größere Temperaturschwankungen können ein Faktor sein, doch die habe es nicht gegeben. „Das Wetter ist nicht unnatürlich, ich glaube nicht, dass es zu den heutigen Schienenbrüchen beigetragen hat“, meinte er. Eine andere mögliche Erklärung seien Schienenfehler – zum Beispiel so genannte Lunkerstellen, Gasblasen im Stahl, die sich als Bruchstellen erweisen könnten. Auch Einbaufehler könnten Ursache von Brüchen sein, etwa Schweißfehler.

Je nach Temperatur zieht sich der Stahl zusammen oder er dehnt sich aus. Die enormen Kräfte, die dann entstehen, könnten sich an falsch geschweißten Stellen entladen. Als begünstigender Faktor komme auf der Stadtbahn hinzu, dass die Schienen dort in eine starre Konstruktion eingespannt worden sind. Bei der „Festen Fahrbahn“, die aus Beton besteht, werden die Gleise besonders großen Belastungen ausgesetzt. Sie war auf der Ost-West-Strecke Mitte der 90er-Jahre eingebaut worden und wurde nun 1:1 saniert.

Vor wenigen Wochen hatte es schon einmal einen Schienenbruch auf der Stadtbahn gewesen. Er ereignete sich am Morgen des 28. Oktober 2014 im Bereich des S-Bahnhofs Jannowitzbrücke. Wie am Mittwoch in S-Bahn-Kreisen zu erfahren war, trug sich dieser Vorfall aber nicht auf dem sanierten Abschnitt zu, sondern auf einem älteren S-Bahn-Teilstück.