S-Bahn in Berlin.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinEs drohte eines der größten Streitthemen der Koalition zu werden. Aber nun hat sich Rot-Rot-Grün doch noch zusammengerauft. Nach langem Streit wurde im Senat der Weg für die nächste S-Bahn-Ausschreibung frei gemacht – mit acht Milliarden Euro Volumen das bislang  größte Vergabeverfahren dieser Art.

Die Deutsche Bahn (DB), die jetzt noch alle S-Bahn-Züge in der Region betreibt, braucht Konkurrenz. Dieser Schluss wurde gezogen, nachdem das Bundesunternehmen die S-Bahn durch Einsparungen und eine verfehlte Strategie  2009 in eine  schwere Krise gesteuert hatte. Wettbewerb ermöglichen: Das sollte nach dem Willen der Grünen und ihrer Berater die Basis der nächsten Ausschreibung sein.

Doch die SPD, die Linke und die Gewerkschaft EVG haben es geschafft, das Konzept immer weiter zu verwässern. Dadurch haben sich die Chancen für die DB tendenziell verbessert, die ihrer Konkurrenten verschlechtert. Dabei kam den Kritikern nicht nur zupass, dass die reine Lehre von Marktwirtschaft und Wettbewerb in Berlin nicht allzu viele Sympathisanten hat. Richtig ist auch, dass die S-Bahn GmbH  gelernt hat und zuverlässiger geworden ist. Nicht zuletzt geben DB-Konkurrenten derzeit ein schlechtes Bild ab. Personalmangel und betriebliche Probleme lassen an der Ideologie, dass durch Wettbewerb alles besser wird, zweifeln.

Den zentralen Baustein, die Aufteilung in vier Lose, konnten die Kritiker jedoch nicht aus der Welt schaffen. Er birgt nicht nur zusätzliche Risiken, dass Bewerber vor Gericht ziehen. Die mögliche Zersplitterung könnte die Schnittstellenprobleme, die es bereits im DB-Konzern gibt, verschärfen. Der S-Bahn steht ein Experiment mit ungewissem Ausgang bevor.