Das Interesse war groß, es gab viele Gespräche. Jetzt hat sich herauskristallisiert, wie die S-Bahn in Zukunft organisiert werden soll. An diesem Mittwoch möchte der Senat dem Hauptausschuss das Konzept vorstellen. Doch in der Koalition und bei S-Bahnern gibt es Kritik. „Offensichtlich will der Senat die S-Bahn kaputt machen und unsere Arbeitsplätze vernichten“, sagt Heiner Wegner von der Gewerkschaft EVG.

Für die S-Bahn-Linien auf der Stadtbahn und den Nord-Süd-Strecken werden insgesamt 570 bis 665 Zwei-Wagen-Einheiten benötigt, die von 2026 bis 2033 geliefert werden müssten. Wer soll sie warten, wer soll sie fahren? Das ließ der Senat nun mit einer Markterkundung ausloten.

Am Freitag berichteten Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne), Staatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) und Mitarbeitern des Beratungsunternehmens KCW im kleinen Kreis über das Ergebnis. Fast alle Unternehmen, die teilnahmen, hätten unter fünf Varianten das Modell „landeseigener Fahrzeugpool“ bevorzugt, hieß es.

Einer schraubt, der andere fährt

Danach soll für jedes Teilnetz ein Fahrzeugdienstleister gesucht werden, der die S-Bahnen beschafft, instand hält und für den täglichen Betrieb bereit stellt. Dieses Unternehmen, zum Beispiel ein Fahrzeughersteller, soll einen 30-Jahres-Vertrag bekommen. Finanziert werden die S-Bahnen vom Land Berlin, das auch Eigentümer wird. Das Land sollte die Werkstatt, die in Blankenburg entstehen könnte, ebenfalls bezahlen.

Gefahren werden die S-Bahnen nicht vom Dienstleister, sondern von einem Verkehrsunternehmen. Das Motto lautet: einer schraubt, der andere fährt. Heute sind diese Funktionen noch bei der S-Bahn Berlin GmbH, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, konzentriert.

Das Modell sei gelobt worden, weil die Komplexität gering sei und Berlin die Finanzierung übernehme, so die Auswertung. Im Frühjahr war von einem Investitionsvolumen von 2,4 Milliarden Euro die Rede. Dieses Geld könne vom Land zu günstigeren Bedingungen beschafft werden, hieß es weiter. Private müssten dagegen bis zu 15 Finanzierungspartner beteiligen, was das Verfahren um zehn bis zwölf Monate verlängere.

Der reibungslose Ablauf im Alltag ist gefährdet

Günther und Kirchner hatten gedacht, dass die anwesenden Koalitionspartner das Konzept durchwinken. Doch SPD und Linke fühlten sich an neoliberale Ideen der 1990er-Jahre erinnert: Der Staat müsse zahlen und Risiken übernehmen. Die SPD regte an, Fahrzeugbeschaffung und Betrieb wie bisher zusammen auszuschreiben. Wenn Funktionen aufgeteilt würden, drohe Streit um Zuständigkeit und Kosten, hieß es.

Das könnte sich im Alltagsbetrieb negativ auf die Fahrgäste auswirken, bekräftigten Mitarbeiter der S-Bahn Berlin GmbH. „Es würde viel länger dauern, bei Störungen zu reagieren“, hieß es. Befürchtet wird die Zerschlagung des Unternehmens – und dass es ab 2026 eine kleinere Rolle spielt, weil die neuen Verträge mit Privatunternehmen geschlossen werden.