Noch genießen die Fahrgäste der S-Bahn Berlin einen Service, von dem Fahrgäste anderswo nur träumen können. Noch immer gibt es Stationen mit Personal, das Bahnen auf die Reise schickt, Fragen beantworten und helfen kann. Doch die Zahl dieser S-Bahnhöfe ist dramatisch gesunken, wie die jüngste Bilanz zeigt. Nur auf 35 S-Bahnhöfen werden die Züge noch von Aufsichten oder Fahrdienstleitern abgefertigt, teilte ein S-Bahn-Sprecher jetzt mit. Insgesamt gibt es 166 Stationen. Bis zum Frühjahr 2016 werden auch fast alle anderen S-Bahnhöfe ihr fest stationiertes Bahnsteigpersonal verlieren.

Damit will das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) langfristig Kosten sparen. Den betroffenen Mitarbeitern werden intern andere Arbeitsplätze angeboten. Bei vielen Kunden kommt die Rationalisierungsmaßnahme allerdings ziemlich schlecht an.

Nicht jeder ist hilfsbereit und nett

Der Fahrgastverband IGEB spricht von „Geisterbahnhöfen“. Mit den Aufsichten fielen Ansprechpartner weg, die Auskünfte geben und bei Problemen einschreiten könnten. Wie sicher sich ein Fahrgast fühlt, habe auch damit zu tun, ob ein S-Bahner in der Nähe ist, heißt es. Zudem gebe es auf den meisten S-Bahnhöfen keine Videotechnik.

Fahrgäste berichten aber auch, dass nicht alle Aufsichten hilfsbereit und freundlich sind. Wenn bei Störungen zentrale Informationen auf sich warten lassen, könnten sie meist auch nicht weiterhelfen.

„Von Geisterbahnhöfen kann keine Rede sein“, entgegnete S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Die S-Bahnhöfe würden nicht unsicher, auch weiterhin gebe es Personal auf den Bahnsteigen – nur eben kein fest stationiertes mehr. 120 S-Bahner würden als mobile Aufsichten eingesetzt, die Fahrgästen helfen sollen. Auch das Personal der Kundenzentren und von DB Sicherheit stünde Kunden zur Verfügung. Priegnitz: „Damit gibt es rund 500 Ansprechpartner.“

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hätten bei der U-Bahn die Aufsichten schon abgeschafft. Bei der S-Bahn werde es dieses Personal in Einzelfällen weiterhin geben – etwa auf dem S-Bahnhof Messe Süd, wenn Messen stattfinden.

Neue Technik kommt später

Doch in der Regel wird sich das Fahrpersonal überall selbst den Abfahrauftrag geben. Spiegel helfen dabei, die Bahnsteigkante zu überblicken. Bereits auf 60 Bahnhöfen muss es nicht mehr aussteigen, um die S-Bahn abzufertigen. Dort filmen Kameras Zug und Bahnsteigkante, die Bilder werden per Funk in den Führerstand übertragen. Diese Technik soll es auf 84 S-Bahnhöfen geben. Zuletzt hieß es, dass das Ziel in diesem Dezember erreicht wird. Doch Tests und Abnahmen bräuchten Zeit, so Priegnitz. „Bis April 2016 werden noch 22 Stationen ausgerüstet.“ Als letzte folgen 2017 Warschauer Straße und Gehrenseestraße.