S-Bahn in Hoppegarten entgleist: S5 bleibt nach Entgleisung noch lange gesperrt

Nach dem S-Bahn-Unglück in Hoppegarten am späten Montagabend bleibt die Strecke der S5 zwischen Berlin und Strausberg voraussichtlich noch tagelang unterbrochen. „Die Gleise sind beschädigt und deformiert. Auch die Weiche, an der das Unglück geschah, muss repariert werden“, sagte Jens Schobranski, Sprecher der Bundespolizei. Fahrgäste müssen auf Regionalbahnen oder zwischen Hoppegarten und Fredersdorf auf Busse umsteigen. Jetzt wird ermittelt, wie es zu der Entgleisung kam. Wahrscheinlich wurde die Weiche gestellt, als die S-Bahn darüber fuhr. Die Reparatur dauert bis Anfang nächster Woche.

Der Unfall geschah am Montag gegen 21.45 Uhr. Am S-Bahnhof Hoppegarten östlich von Berlin wurde es plötzlich laut. Eine S-Bahn aus Strausberg Nord, die gerade mit Tempo 40 Richtung Berlin einfuhr, geriet heftig ins Schwanken. Die vorderen fünf Wagen blieben auf dem Gleis, doch die hinteren drei Wagen sprangen aus den Schienen, so die Bundespolizei. Schief blieben die rot-ockergelben Fahrzeuge der Baureihe 481 im Schein der Bahnhofsleuchten stehen. Glücklicherweise kippte keiner der entgleisten Wagen um. Wie berichtet blieben alle S-Bahn-Insassen unverletzt.

„In den entgleisten Wagen befanden sich 13 Fahrgäste, im gesamten Zug rund 50“, berichtete Jens Schobranski. Rettungskräfte und Polizisten evakuierten die S-Bahn, und die Reisenden mussten sehen, wie sie ans Ziel kamen – keine einfache Aufgabe. „Ab Dienstag konnten wir zwischen Hoppegarten und Fredersdorf neun Busse einsetzen. Ab Mittwoch sind es elf“, so ein Bahnsprecher. Der Pendelverkehr zwischen Mahlsdorf und Hoppegarten verlängert die Reisezeit zusätzlich.

Reisende von und nach Strausberg können auf die Niederbarnimer Eisenbahn ausweichen. Um sie zu entlasten, setzt auch DB Regio Triebwagen ein. Am Mittwoch zwischen 5 und 10 sowie 14 und 19 Uhr entsteht ein Halbstundentakt zwischen Lichtenberg und Strausberg.

Mit eigenen Mitteln konnten die S-Bahner die entgleisten Wagen (jeweils rund 60 Tonnen) nicht wieder auf die Schienen hieven. Ein S-Bahner: „Weil die Bahn in Berlin keinen geeigneten Kran hat, musste einer aus Leipzig kommen“ – das dauerte bis zum Nachmittag. Jetzt werden Reparaturen geplant. Frühestens am Wochenende könne die S 5 wieder wie bisher fahren, vielleicht auch erst nächste Woche, hieß es.

Kran musste aus Leipzig kommen

Die Bundespolizei befragt das S-Bahn-Personal und den Fahrdienstleiter in Hoppegarten. Das Stellwerk von DB Netz, mehr als hundert Jahre alt, steht am Unglücksort. „Denkbar ist ein Technikdefekt, eine falsch gestellte Weiche – vielleicht hat der Fahrer auch ein rotes Signal überfahren“, so Schobranski.

S-Bahner gehen davon aus, dass Variante?2 zutrifft. Die vorderen fünf Wagen bogen an der Weiche nach rechts ab – dann geschah etwas, das die hinteren drei nach geradeaus lenkte und dadurch aus dem Gleis warf. „Die S-Bahn aus Strausberg Nord hatte etwas Verspätung“, sagte ein S-Bahner. Das brachte das Stellwerkspersonal, das nicht zur S-Bahn gehört, offenbar durcheinander – die Weiche wurde für den Gegenzug umgestellt. Die DB-Leute in Hoppegarten haben einige Weichen zu überwachen, auch auf der Eisenbahnstrecke nebenan. Außerdem beginnt in Hoppegarten der eingleisige S-Bahn-Streckenabschnitt in Richtung Strausberg.

Auf jeden Fall erinnerte die Situation am Unglücksort an Unfälle, bei denen ebenfalls falsch gestellte Weichen eine Rolle spielten. So entgleiste am 21. August 2012 ein S-Bahn-Zug der S25 in Tegel. Zwei Frauen und vier Männer wurden leicht verletzt. Untersuchungen ergaben, dass das S-Bahn-Personal im Stellwerk Regeln nicht befolgt hatte, als es die Weiche 74 zu früh stellte. Allerdings war es auch überfordert, weil ein Blitz Technik lahmgelegt hatte und der Fahrdienstleiter eine Kollegin neu einweisen musste. Der Schaden betrug 1,3 Millionen Euro.