Berlin - Berlin erhält eine neue S-Bahn-Strecke. Sie wird von den Stationen Wedding und Westhafen zunächst bis zum Hauptbahnhof führen. Jetzt bekommen die Autofahrer die Bauarbeiten immer stärker zu spüren. Weil die Baustelle erweitert wird, wird das Friedrich-List-Ufer am Hauptbahnhof von Montag an gesperrt. „30 Monate lang“, kündigte Projektchef Arno Jaeger von der Bahn am Freitag an.

Auch die BVG-Fahrgäste müssen sich umgewöhnen. Der TXL-Bus zum Flughafen Tegel hält ab Montag, anders als bisher südlich des Hauptbahnhofs, am Spreeufer. Während der Bau des ersten Abschnitts der neuen Nord-Süd-S-Bahn in die Vollen geht, bereitet der Senat schon das zweite Teilstück des Projekts S 21 vor. Denn langfristig ist vorgesehen, den Tunnel bis zum Potsdamer Platz zu verlängern – unter der Spree hindurch.

Manchmal dauert es eben etwas länger. Zuerst gingen viele Jahre ins Land, bis der Senat den Bund davon überzeugt hatte, dass der Hauptbahnhof einen weiteren S-Bahn-Anschluss braucht. Dann war die Finanzierung zu klären. Doch nun hat das Projekt S 21 an Fahrt gewonnen – wie der Bau der Straßenbahntrasse zum Hauptbahnhof, die Ende nächsten Jahres fertig wird, elf Jahre später als ursprünglich geplant.

„Ende 2017 sollen auf unserer Strecke die ersten S-Bahnen rollen“, sagte Projektchef Jaeger. Nicht nur die Arbeiten für den 609 Meter langen Tunnel, in dem die vorläufige Endstation am Hauptbahnhof entsteht, werden jetzt intensiviert. Im kommenden Jahr wird auch der Bau der drei Brücken in Angriff genommen, so der Ingenieur. Die rund vier Kilometer lange Neubautrasse in Mitte, die wegen ihrer beiden Streckenäste auf dem Stadtplan wie der Buchstabe Y aussieht, entsteht in einem Stadtgebiet, in dem es schon diverse andere Verkehrswege gibt.

Direkt nach Königs Wusterhausen

Das macht das Projekt S 21 so teuer: Nicht weniger als 227 Millionen Euro sind dafür eingeplant. Der Bund steuert 60 Prozent bei, das Land Berlin 40 Prozent. Es musste allerdings auch noch die Planung bezahlen. Doch der Aufwand lohne sich, bekräftigte der Senat. Denn die Strecke werde die Verbindungen zum Hauptbahnhof entscheidend verbessern – damit auch zu dem Stadtviertel, das in dessen Umfeld entsteht.

Klar ist, dass die S 46 auf der Trasse verkehren wird – von und nach Königs Wusterhausen, über Süd- und Westkreuz. Eine zweite S-Bahn-Linie soll den Hauptbahnhof mit Gesundbrunnen und Waidmannslust verbinden. Beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg hieß es, dass eine dritte Linie dazu kommen könnte, die auf den Ostring führt. Ein üppiges Angebot.

Der Bund hätte den ersten Bauabschnitt der S 21 jedoch nicht finanziert, wenn es auf Dauer bei dieser Stummelstrecke bliebe. „Vorgesehen ist, die Trasse nach Süden weiterzuführen“, bekräftigte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Freitag. So entstünde eine zweite durchgehende Nord-Süd-S-Bahn-Strecke zum Potsdamer Platz.

Baugrube am Brandenburger Tor

Dem Vernehmen nach hat der Senat damit begonnen, die Finanzierungsplanung vorzubereiten. Allein für die Planungskosten werden 17 Millionen Euro veranschlagt, für den Bau des 1,9 Kilometer langen Tunnels rund 150 Millionen Euro. Der zweite Bauabschnitt, der 2019 in Angriff genommen werden soll, ist ebenfalls ziemlich kompliziert.

Die S-Bahn-Strecke unterquert die Spree, dann den Friedrich-Ebert-Platz am Reichstagsgebäude. Während bis dahin ein Tunnelbohrer die Trasse unterirdisch vorantreiben kann, ist westlich des Brandenburger Tores eine Baugrube nötig. Danach werden die Gleise in den „Heuboden“ geführt, ein altes Tunnelstück von 1939, das in den S-Bahnhof Potsdamer Platz mündet.

Die US-Botschaft hat signalisiert, dass sie mit dem Tunnelbau einverstanden wäre – unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen. Der Bundestag war da schon ein schwierigerer Gesprächspartner. Der Ältestenrat des Parlaments lehnte den Plan ab, den Tunnel unterm Ebertplatz mit einem Unterwegsbahnhof zu versehen – aus Sicherheitsgründen, wie es hieß. „Möglicherweise spielte auch ein anderes Argument eine Rolle“, sagte ein Planer. Der Zugang stünde den Limousinen, die Abgeordnete zum Eingang des Reichstagsgebäudes bringen, im Weg.