Der Reichstag in Berlin.
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BerlinAngesichts der Planung eines neuen S-Bahntunnels unter dem Berliner Regierungsviertel hat Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) dem Berliner Senat die Verbreitung falscher Informationen vorgeworfen. Kubicki teilte am Samstag mit, einen Tunnel, der das Reichstagsgebäude gefährde, werde es nicht geben. „Bundestag und Bahn arbeiten jedoch an einer Lösung, die dieses Risiko ausschließt.“ Diese Planungsarbeiten stünden kurz vor dem Abschluss. „Es ist deshalb bedauerlich, dass die Berliner Verkehrsverwaltung mit unzutreffenden Äußerungen die Öffentlichkeit beunruhigt.“

Kubicki reagiert damit auf einen Artikel des „Tagesspiegels“, in dem ein leitender Senatsbeamter dem Bundestag vorwirft, die Planungen für die unterirdische Verlängerung der S-Bahn-Linie 21 vom Hauptbahnhof zum Potsdamer Platz zu blockieren.

Wolfgang Kubicki (FDP), stellvertretender Bundestagspräsident.
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Auf Anfrage der Berliner Zeitung teilte die Berliner Verkehrsverwaltung mit, die Bundestagsverwaltung habe Bedenken, dass die Trassenführung problematisch für die Gebäudesicherheit sei. Die Arbeiten gefährdeten den Sitzungsbetrieb. Der Bundestag wünsche sich eine größere Entfernung zwischen geplantem S-Bahn-Tunnel und dem Reichstagsgebäude.

Eine Sprecherin des Bundestags betonte nun, zuständig sei nicht die Bundestagsverwaltung, sondern die Baukommission des Bundestags, in der alle sechs Fraktionen vertreten seien. Angesichts des schwierigen Untergrundes im Regierungsviertel stimme sich die Baukommission eng mit der Leitung der Bahn über die Trassenführung ab. Das habe nichts mit einer Blockade, sondern schlicht mit der Sorgfaltspflicht zu tun.

S21 soll Hauptbahnhof mit Potsdamer Platz verbinden

Bisher führt eine S-Bahnstrecke vom Potsdamer Platz nach Norden zum Brandenburger Tor und zum Bahnhof Friedrichstraße. Schon länger geplant ist eine zweite Strecke, die den Potsdamer Platz mit dem Hauptbahnhof und dem Nordring verbindet. Die unterirdischen Gleise dieser S-Bahnlinie 21 sollen nicht direkt unter dem schweren Reichstagsgebäude, sondern westlich und östlich daran vorbei verlaufen. Weil dabei ein bereits bestehendes zweites Tunnelstück zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor erreicht werden soll, gestaltet sich die Streckenführung höchst kompliziert.

Der Bau der S21 gliedert sich in drei Abschnitte. Abschnitt eins: Ab 2026 soll der Hauptbahnhof endlich eine Verbindung zur Ringbahn bekommen. Seit zehn Jahren wird daran gegraben. Abschnitt zwei soll vom Hauptbahnhof zum Potsdamer Platz gehen. Abschnitt drei ist vom Potsdamer Platz Richtung Süden geplant. Zweiter und dritter Abschnitt sollten ursprünglich 2022 fertig sein. Jetzt spricht man von einer „Grobzeitplanung“ von 2035/36.

Die Kosten für die gesamte Projekt S21 wurden 2017 auf 900 Millionen Euro geschätzt. Heute heißt es: „Eine neue Kostenschätzung für die gesamte S21 liegt nicht vor.“