S-Bahn-Signal ist DDR-Erfindung: Gerhard Iben steckt hinter dem Da-Dü-Da-Signal

Fast 1,4 Millionen Menschen hören es täglich in der S-Bahn: Das Da-Dü-Da, das an jedem Bahnhof im Zug ertönt, wenn vor der Abfahrt die Türen schließen. So geht das schon seit 32 Jahren. Was kaum einer weiß: Das Warnsignal stammt noch aus DDR-Zeiten. Der Sound wurde damals von S-Bahn-Mitarbeiter Gerhard Iben erfunden. Der heute 69-Jährige lebt heute als Rentner bei Werneuchen im Berliner Umland.

Auch wenn dorthin keine S-Bahn fährt, beschäftigt sich Iben noch immer mit den rotgelben Zügen. Im Regal im Arbeitszimmer stehen viele S-Bahn-Bücher. Dazu kommen Ordner, in denen er Dokumente zu den Fahrzeug-Typen sammelt. Auch ein Zug-Modell steht dort. Iben kann von der S-Bahn nicht loslassen. „Einmal S-Bahner, immer S-Bahner. 48 Jahre lang war ich dabei“, sagt er. In den 1990er-Jahren war er Leiter des Fahrdienstes, zuletzt arbeitete er bei der DB Immobilien.

Zuerst kam die Klingel

Im Jahr 1966 fing Iben bei der S-Bahn als Elektriker-Lehrling an und arbeitete nach dem Studium als Betriebs-Ingenieur im damaligen Reichsbahnausbesserungswerk Schöneweide. „In dieser Funktion erhielt ich den Auftrag, mit meinen Mitarbeitern ein Türwarnsignal für die Züge zu entwickeln“, sagt er.

Die Geschichte dazu begann Ende der 1970er-Jahre. Bis zu jenem Zeitpunkt wurden die Züge von der Bahnhofsaufsicht über Funk mit dem Ruf „Zurückbleiben“ abgefertigt. „So mancher Fahrgast, der noch schnell in den Zug hineinsprang, hatte sich beim Türschließen verletzt“, sagt Iben. Daher sollte die S-Bahn rote Lampen und einen Warnton bekommen, die den Fahrgästen das automatische Türschließen ankündigten.

Zunächst kam das Warnsignal über eine schrille Klingel. Das gefiel aber wohl DDR-Verkehrsminister Otto Arndt nicht. So kam 1983 die Weisung, ein neues Warnsystem einzurichten. Es sollte über Lautsprecher, die in den Zügen eingebaut wurden, in die Abteile übertragen werden, um so die Stationen durchsagen zu können.

Überraschende Beliebtheit

„Ich saß mit meinen Mitarbeitern damals im Büro, wir hörten uns ständig über einen Tongenerator verschiedene Klangfolgen an“, erzählt Iben. „Dass dabei das melodiehafte Da-Dü-Da herauskam, war ein Zufall. Denn ich bin gar nicht musikalisch.“ Wichtig sei nur gewesen, dass der Warnton nicht schrill ist, um die Fahrgäste nicht aufzuschrecken, die sich gerne während der Fahrt ausruhten oder sogar schliefen.

Musiktheoretisch ist das Signal ein Zweiklang, sagt Iben. In C-Dur mit der Tonfolge C-E-C erklang es erstmals am 26. März 1986 in einem S-Bahn-Zug. „Dass das Signal bis heute existiert und sogar bei den Berlinern beliebt wird, daran war damals gar nicht zu denken“, sagt Iben. „Bei den Testfahrten fühlten sich die Fahrgäste davon zuerst belästigt, es störte sie beim Schlafen, wenn die Töne an jedem Bahnhof ertönten.“

Iben sagt, es habe einige Wochen gedauert, bis sich die Berliner daran gewöhnten und die Beschwerden aufhörten. Auch habe es ihn überrascht, dass DJ Paul Kalkbrenner 2008 den Da-Dü-Da-Ton für seinen Hit „Train“ verwendete. „Gefragt hat er mich nie.“

Künftig ein schrilles Piepen

Gerhard Iben ist gar nicht begeistert davon, dass der Da-Dü-Da-Ton in künftigen S-Bahn-Zügen nicht mehr zu hören sein wird. Stattdessen wird in der neuen Baureihe, die ab dem Jahr 2021 auf der Ringbahn im Einsatz sein wird, ein schriller Piepton erklingen. Diesen Türschließwarnton schreibt die Europäische Union seit 2015 für alle neuen Bahnfahrzeuge vor.

Alter Signalton:

Neuer Signalton:

Iben hörte ihn erstmals vor ein paar Monaten, als der neue Zug intern vorgestellt wurde. „Ich bin ja für Neues bei der S-Bahn, auch dass man sich vom Da-Dü-Da verabschieden will“, sagt er. „Aber dieses künftige Gepiepe nervt wirklich. Das macht die Fahrgäste nur unruhig. Ich kann verstehen, dass die Berliner schon jetzt darüber meckern.“