Vom Hauptbahnhof braucht die S9 genau 51 Minuten bis zum BER.
Foto: Imago Images/Chromorange

BerlinWenn am 31. Oktober erstmals Flugzeuge auf dem BER landen, soll die S-Bahn zum neuen Hauptstadt-Airport schon fünf volle Tage im Betrieb sein. Nach Informationen der Berliner Zeitung sehen die jüngsten Pläne vor, dass der S-Bahn-Verkehr zum Flughafen am 26. Oktober aufgenommen wird. Allerdings muss damit gerechnet werden, dass es bis zur BER-Eröffnung lediglich ein ausgedünntes Zugangebot gibt.

Das Konzept sieht vor, dass zunächst nur die Züge der S9 über die jetzige Endstation in Schönefeld hinaus zum Bahnhof Flughafen BER Terminal 1-2 fahren. Wird dieser Plan umgesetzt, müssten sich die Fahrgäste mit einem 20-Minuten-Takt begnügen. Außerdem soll der neun Kilometer lange Neubauabschnitt in den ersten Tagen ausschließlich während der Hauptverkehrszeit befahren werden. Zu den übrigen Zeiten würden die Züge der S9 aus Spandau wie bisher in Schönefeld enden.

Erst vom 31. Oktober an sollen die Fahrgäste zum BER das volle Angebot erhalten. Dann wird nicht nur die S9, sondern auch die S45, die ihren Ausgangspunkt am Südkreuz hat, zum BER verkehren. Auch der Regional- und Fernzugverkehr soll dann integriert werden. Aus Berlin werden vier Regionalzüge pro Stunde zum BER verkehren. Vom Hauptbahnhof sind sie etwas mehr als eine halbe Stunde unterwegs, vom Ostkreuz 15 bis 17 Minuten. Als einzige Fernverkehrsroute wird die Intercity-Linie 17 (Dresden-Rostock) einen Stopp im BER-Bahnhof bekommen.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup setzt sich dafür ein, dass auch ICE-Züge dort halten. Doch bei der Bahn sieht man das zurückhaltend – weil lange Anfahrten oder Umwege erforderlich wären und ein Bedarf nicht erkennbar ist. Im Zeichen von Corona wird die Zahl der Flugreisenden auf Jahre hinaus deutlich niedriger sein als früher. Deshalb zweifeln Beobachter auch daran, dass das geplante üppige Nahverkehrsangebot noch angemessen ist. Auch in den meisten S-Bahnen werden nur wenige Fahrgäste sitzen.

Dennoch wurde diskutiert, ob der S-Bahn-Verkehr bereits Anfang Oktober beginnen solle. Ein Argument war, dass viele Menschen, die am BER tätig sind, ihre Arbeitsstellen lange vor den ersten Starts und Landungen beziehen werden. Allerdings müssen Berlin und Brandenburg für jeden gefahrenen Kilometer Geld zahlen – und sie werden zunehmend knauserig. Wegen Corona sind die Fahrgastzahlen bei der S-Bahn auf 70 Prozent des früheren Stands gefallen, die Nahverkehrsfinanzierung wird zunehmend problematisch. Deshalb möchten die Länder nur das Nötigste an Zugfahrten anbieten, hieß es.

Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, teilte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg mit. „In welchem Umfang schon vor der Aufnahme des Flugverkehrs eine Anbindung auf der Schiene erfolgt, ist aktuell noch in der finalen Abstimmung“, sagte ein Sprecher.