Der Test kann starten. Für die Erprobung einer neuen Überwachungstechnik in Berlin hat die Bundespolizei genug Freiwillige gefunden. Mehr als 300 Menschen haben sich gemeldet, teilte Matthias Lehmann, Sprecher der Bundespolizei, am Mittwoch mit. Damit kann nun wie geplant von August an eine moderne Software zur Gesichtserkennung im Bahnhof Südkreuz erprobt werden. Dem Test wird so viel Bedeutung zugemessen, dass sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) Mitte oder Ende August vor Ort darüber informieren möchte.

Für den sechsmonatigen Testbetrieb hatte die Bundespolizei bis zu 275 volljährige Bürger gesucht. Das Interesse ging darüber hinaus, was auch daran liegen könnte, dass es Einkaufsgutscheine und Anderes zu gewinnen gibt.

„Massiver Grundrechtseingriff“

„Uns ist es gelungen, einen Querschnitt der Bevölkerung zu bekommen“, sagte Lehmann. Doch egal ob Mann, Frau, jung oder alt, auf ein gemeinsames Merkmal wurde geachtet: Um möglichst viele Daten zu gewinnen, wurden Pendler und andere Fahrgäste gesucht, die den Bahnhof oft nutzen – zum Beispiel, indem sie in dem Knotenpunkt in Schöneberg regelmäßig umsteigen. Das Südkreuz gehört zu den wichtigsten Fern-, Regional- und S-Bahnhöfen Berlins. Dort sind täglich im Durchschnitt rund 160.000 Reisende sowie Besucher unterwegs.

Die Testpersonen wurden fotografiert, die Portraits in einer Datenbank hinterlegt. Im Südkreuz müssen sie einen kreditkartengroßen Transponder dabei haben – ein Funk-Kommunikationsgerät, das beim Fototermin überreicht wurde und weitere Daten liefert.

Aufgabe der Testpersonen ist es nun, häufig durch das Blickfeld von Videokameras zu laufen, die drei Türen zum Hildegard-Knef-Platz und eine in die Westhalle führende Rolltreppe ins Visier nehmen. Der Computer soll die Testpersonen anhand der Fotodatenbank herausfiltern. Denn das ist das Ziel des Versuchs: Er soll zeigen, ob sich die Technik dazu eignet, Straftäter und andere gesuchte Personen aufzuspüren.

In einer zweiten Phase sollen weitere Programme untersucht werden – dem Vernehmen nach Software, die Gefahrenszenarien und verdächtige Dinge erkennt. Wie berichtet befürchtet die Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk erhebliche Risiken beim Einsatz von Videokameras zur biometrischen Gesichtserkennung. Es handele sich um einen „massiven Grundrechtseingriff“, warnte der Linken-Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko.