Berlin - So eine Baustelle hat selbst das an Baustellen nicht gerade arme Berlin selten gesehen: Am Ostbahnhof, der ab Freitagnachmittag bis Montag für den S-Bahnverkehr gesperrt ist, stehen riesige blaue und rote Stahlkonstruktionen. Passanten bleiben stehen und staunen. Das blaue Monstrum ist ein gigantischer Kran, der am Wochenende eine riesige rote Brücke über das traditionsreiche Doppel-Kuppeldach des Ostbahnhofs heben soll, vorerst nur über die nördliche Kuppel. Die Brücke soll helfen, die zwei rund 100 Jahre alten Gleishallen des früheren Ost-Berliner Hauptbahnhofs bis 2025 bei laufendem Betrieb weiter zu modernisieren.

40 Meter hoch, 75 Meter lang und 600 Tonnen schwer ist das Ungetüm von Schutzbrücke, das beim Einbau neuer Stahlteile und Glasscheiben im Dach helfen soll. Im Innern des Bahnhofes, in dem weiter Menschen zu Fernzügen und Geschäften unterwegs sind, ist schon ein Teil der knallroten Dachkonstruktion zu bestaunen.

Für Fahrgäste bedeutet die aufwendige Sanierung vor allem Einschränkungen im Nahverkehr: Zwischen Warschauer Straße und Alexanderplatz richtet die S-Bahn von Freitag, 16 Uhr, bis Montag, 1.30 Uhr, einen Bus-Ersatzverkehr für die Linien S3, S5, S7 und S9 ein. Zusätzlich kommt es zu Fahrzeitänderungen und teils Umfahrungen über das Ostkreuz.

Ursprünglich wurde die Station 1842 als Kopfbahnhof für die Bahn nach Frankfurt (Oder) gebaut. Ab 1852 hieß  sie Schlesischer Bahnhof, ab 1875 war sie Durchgangsstation für die Stadtbahn. Ab 1950 Ostbahnhof, dann Hauptbahnhof und wieder Ostbahnhof heißend, wurde die Doppelhalle ab 1998 grundlegend erneuert. Seit 2011 wird sie saniert. Nach der Sperrung der nördlichen Halle an diesem Wochenende wird wohl im November die südliche Halle für Fern- und Regionalzüge gesperrt, dann aber nicht für die S-Bahn.