In Berlin-Rummelsburg stehen zwei Bamowag bereit, in Frankfurt (Oder) und anderswo warten sechs SRF, und vielerorts wurden VFA angebracht. Alles klar? Wenn man bei der Deutschen Bahn arbeitet, wahrscheinlich schon. Wer dem Aküfi, dem Abkürzungsfimmel, mit Freuden frönt, ist bei dem Staatsunternehmen richtig. Dabei sollen die technokratischen Kürzel nicht nur die interne Verständigung beschleunigen. Sie dienen auch dazu, etwas nach außen zu signalisieren. Und zwar: Wir haben alles im Griff – in diesem Fall die Auswirkungen des bevorstehenden Winters auf den Zugverkehr.

Das Abkürzungs-Feuerwerk wurde am Dienstag gezündet, als die Bahn in ihrer Seddiner Werkstatt südwestlich von Berlin Technik auffahren ließ, um die Medien über die Wintervorbereitungen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zu informieren. Vor der Halle ließ ein Bahnmotorwagen (Bamowag), ein dieselbetriebenes Schienenfahrzeug, vor den Kameras seinen Schneebesen rotieren.

Nebenan wurde erläutert, wie Verschlussfachabdeckungen (VFA) an mittlerweile rund 800 Weichen verhindern, dass von Zügen fallende Eisklumpen in die beweglichen Teile geraten und sie blockieren. Mittlerweile sind 6500 Weichen in der Region heizbar, 800 mehr als vor einem Jahr. Im Bild gezeigt wurden Schneeräumfahrzeuge (SRF) wie die vier Schneepflüge, die aus DDR-Zeiten stammen und Kennern als „Bauart Meiningen“ bekannt sind, und die beiden Schneeschleudern.

Fahrgäste wissen allerdings, dass die Bahnleute im Winter trotz der schönen Technik zuweilen kapitulieren müssen – wenn sich nasser Schnee türmt oder trockener Schnee die Fahrzeugtechnik schachmatt setzt. Es gebe „Restrisiken“, hieß es am Dienstag. Die Berliner S-Bahner können da einiges erzählen. So blieben vor drei Jahren zwei Züge zwischen Erkner und Friedrichshagen im Schnee stecken. Warum gerade die S 3 so anfällig für Schneeverwehungen ist, kann niemand erklären, aber es ist so.

Eisenbahner erzählen aber auch, dass in der Vergangenheit manches Winterproblem ohne große Unternehmensstrategie gelöst wurde. Wenn ein Stellwerker eine blockierte Weiche bemerkte, ging er nach unten und fegte sie frei. Heute werden im Regionalbereich Ost 29 externe Firmen mit 2385 Mitarbeitern zur Schneeräumung eingeteilt, nur 150 Räumkräfte sind bei der DB angestellt. Von den 1390 Sicherungskräften arbeiten rund die Hälfte für 27 externe Unternehmen.

Immerhin, einfache Lösungen von früher kommen wieder in Mode. So haben Züge jetzt wieder Hämmer dabei, mit denen das Personal Eisklumpen abschlagen kann, und Scheibenkratzer. „Das wurde vor drei Jahren noch verlacht“, sagte ein Eisenbahner.