Da werden selbst kurze Reisen zu Geduldsproben. Fahrgäste müssen immer öfter mit Zugverspätungen rechnen – sowohl im Regional- als auch im S-Bahn-Verkehr. „Die Pünktlichkeit hat sich verschlechtert“, sagte Hans-Werner Franz, der Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), am Dienstag. Das geht aus der jüngsten VBB-Statistik für den Mai hervor. „Angesichts der Zwänge, mit denen wir zurechtkommen müssen, machen wir und unsere Kollegen einen sehr guten Job“, konterte ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB).

Im Mai war jeder achte Regionalzug in Berlin und Brandenburg mit mindestens fünf Minuten Verspätung unterwegs. Der Anteil der Züge, die als pünktlich registriert wurden, sank auf 87,7 Prozent. Im April betrug er noch 89,5 Prozent. Bei der Berliner S-Bahn hatte im Mai jeder 20. Zug mindestens vier Minuten Verspätung. Auch dort sank der Anteil der als pünktlich gewerteten Züge: von 95,7 auf 95,3 Prozent. Auf den ersten Blick mutet der Prozentsatz der verspäteten Fahrten bei der S-Bahn gering an. Aber davon sind viel mehr Menschen betroffen als bei den Regionalzügen. 2012 beförderte die S-Bahn 395 Millionen Fahrgäste.

Verringerte Kapazität

Im Regionalverkehr ist die Linie RE 2, die von Cottbus über Berlin nach Wismar führt, besonders verspätungsanfällig. Entlang der Strecke, die von der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) befahren wird, sind gleich mehrere Probleme aufgereiht. „Zwischen Cottbus und Lübbenau ließ die DB die Strecke nur eingleisig ausbauen. Das verringert die Kapazität“, sagte Franz. In Königs Wusterhausen folgt der nächste eingleisige Engpass, in Spandau ein weiteres Nadelöhr. Dieser Bahnhof war nie für beginnende und endende Züge bestimmt. Trotzdem setzt dort der Prignitz-Express aus und kreuzt zweimal die Gegengleise. In Spandau ist auch viel Fernverkehr unterwegs. Bei Paulinenaue im Havelland müssen sich erneut alle Züge auf einem einzigen Gleis drängen: Weil auf der Hamburger Bahn immer mehr Containerzüge unterwegs sind, wird eine Überholstelle gebaut. Die Linie RE 2 zeige beispielhaft, woran das Bahnsystem in der Region krankt, sagte der Eisenbahner. Der Verkehr nehme zu, doch es gebe zu viele Engpässe – auch in Karow, am Ostkreuz oder in Genshagener Heide südlich von Berlin. Hinzu komme, dass der VBB manche Fahrpläne zu eng gestrickt habe, so dass selbst kleinere Verspätungen meist schwer aufholbar seien.

„Wir haben nach wie vor das Problem, dass bei der DB einige Strecken in einem schlechteren Zustand sind als andere“, entgegnete Franz. Auch die Fahrzeugtechnik habe ihren Anteil, hieß es beim VBB. Neue Züge von Typ Talent brauchten bei Halten zu lang, um ihre Trittstufen auszufahren.