Die entgleiste S-Bahn in Lichtenberg. Aus dem hinteren Führerstand ragt die Stromschiene.
Foto: Pudwell

BerlinWurde eine Weiche falsch gestellt? Am Tag nach der Entgleisung einer S-Bahn der Linie S75 zwischen Lichtenberg und Nöldnerplatz wurden am Donnerstag erste Einschätzungen zur möglichen Unfallursache bekannt. „Derzeit sieht alles danach aus, als ob unter dem fahrenden Zug eine Weiche gestellt wurde“, sagte ein S-Bahner. Er schließt nicht aus, dass eine Störung im Stellwerk dazu beigetragen haben könnte. Bevor Weichen gestellt werden, stellen Achszähler fest, ob der vorige Zug die Stelle passiert hat. Möglicherweise habe das in diesem Fall nicht funktioniert, hieß es. 

Die Bundespolizei hat die Ermittlungen zu dem Unfall aufgenommen. „Es wird in alle Richtungen ermittelt“, sagte eine Sprecherin.  Zur möglichen Ursache könne noch nichts mitgeteilt werden. Ob eine Straftat vorliegt, sei ebenfalls noch unklar.

Der Kurzzug war am Mittwoch auf der Linie S75 von Wartenberg zum Ostbahnhof unterwegs. Um 21.03 Uhr hatten die vier Wagen den S-Bahnhof Lichtenberg gerade verlassen, als das Unglück geschah. Die vorderen drei Wagen schlugen eine andere Richtung ein, der hintere entgleiste und kippte zur Seite. Dabei kam es auch zu der Begegnung mit der seitlich angebrachten Stromschiene, die abbrach und sich von unten durch den Boden des Führerstands bohrte. Die 15 Fahrgäste blieben unverletzt, aber es gab Sachschaden am Zug und am Gleis.

Die entgleiste Bahn bot am Mittwochabend einen spektakulären Eindruck. Die Stromschiene hatte sich durch die Frontscheibe des letzten Wagens gebohrt. Sie durchstieß das Steuerpult des hinteren Führerstands, dann das Glas. Als der Zug zum Stehen kam, ragte das Metallteil schräg in den Abendhimmel.

Ärger über volle Züge auf der U5

Der S-Bahn-Verkehr war auch am Donnerstag noch stark eingeschränkt. So war die S5 zwischen Wuhletal und Ostbahnhof unterbrochen. Fahrgäste wurden gebeten, die U-Bahn-Linie U5 zu nutzen, die aber trotz des zusätzlichen Andrangs weiterhin nur im Zehn-Minuten-Takt verkehren konnte. Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB twitterte Fotos von U-Bahnen, die nach den Maßstäben der Coronakrise zu voll waren.

Normalerweise gibt es auf der U5 während der Hauptverkehrszeit zwischen Kaulsdorf Nord und Alexanderplatz einen Fünf-Minuten-Takt, erklärte Jannes Schwentu, Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). „Allein am Dienstagmorgen wurde der Verkehr auf diesem Abschnitt mit 36 zusätzlichen Fahrten verstärkt.“

Doch am Mittwochabend habe der Zufall zugeschlagen: Im U-Bahnhof Friedrichsfelde kam es zu einer Weichenstörung, die dazu führte, dass auf dem Teilstück bis Tierpark die Signale nicht funktionierten. „Wir müssen dort langsam fahren“, sagte er. Darum sei nur ein Zehn-Minuten-Takt möglich. Donnerstagnachmittag war die Weichenstörung behoben. „Die Verstärkerzüge rollen wieder.“