S-Bahn: Warten, warten, warten

Berlin - Schmierige Gleise, Vandalismus, Baustellen: Es gibt viele Gründe, warum sich Züge verspäten oder gar ausfallen. Am gestrigen Dienstag unterbrach eine Signalstörung den S-Bahn-Betrieb zwischen Ostbahnhof und Lichtenberg. Für die Fahrgäste läuft es stets auf dasselbe hinaus: Sie kommen zu spät zur Arbeit, verpassen Termine und Anschlüsse. Aus der neuen Pünktlichkeitsbilanz des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) geht hervor, dass dies im November besonders häufig der Fall war. Noch nie in diesem Jahr wurden so viele Regional- und S-Bahn-Züge als unpünktlich registriert wie im vergangenen Monat.

S-Bahn hat Ziel noch nicht erreicht

Im November fuhren nur 82,8 Prozent der Regionalzüge in Berlin und Brandenburg auf die Minute genau oder maximal fünf Minuten zu spät. Damit lag der Pünktlichkeitswert der Region unter dem bundesweiten Durchschnittswert von 91,6 Prozent. Gründe gab es etliche: Metalldiebe klauten Kabel, Schienen brachen, Signale fielen aus, Herbstlaub und Nässe auf den Schienen erforderten eine vorsichtige Fahrweise.

Auch im Dezember fuhren viele Züge dem Fahrplan hinterher - zum Beispiel auf der sanierten Strecke in den Spreewald. Als Folge passt die Bahn zu Montag auf drei Linien den Fahrplan an. So wird die Fahrzeit von Cottbus zum Berliner Ostbahnhof um drei Minuten verlängert.

Bei der S-Bahn Berlin ist die Pünktlichkeit im November ebenfalls auf einen Jahrestiefstand gesunken. Nur noch 92,9 Prozent der Fahrten galten als pünktlich, die übrigen S-Bahnen fuhren um mehr als vier Minuten zu spät ab. So verbrauchten viele Züge mehr Sand als erwartet, um die Bremskraft zu verstärken. Folge war, dass sich Bremssandbehälter schneller leerten und viele S-Bahnen aus Sicherheitsgründen statt Tempo 80 nur 60 Kilometer pro Stunde fahren durften.

Auch eine Stellwerksstörung bei DB Netz verdarb der S-Bahn die Bilanz. Solche Störungen sind bei guter Wartung oft vermeidbar, meinte VBB-Chef Hans-Werner Franz. Auch dafür, dass die S-Bahn im vergangenen Monat erneut unzuverlässiger geworden ist, gebe es hausgemachte Gründe. Nur 94,6 Prozent der im aktuellen Fahrplan vorgesehenen S-Bahn-Fahrten fanden statt, der Rest fiel aus. "Das lag an den vielen Krankmeldungen", sagte Franz. Zwar könne es vorkommen, dass Arbeitnehmer krank werden - gerade im Herbst. Doch in diesem Fall hätten Managementfehler das Problem vergrößert. Denn der Personalbestand sei "insgesamt zu knapp".

Franz wies auch darauf hin, dass die S-Bahn ihr selbstgestecktes Ziel, am Ende dieses Jahres wieder rund 500 Doppelwagen einzusetzen, bisher nicht erreicht habe. Am gestrigen Dienstag beförderten 472 Doppelwagen Fahrgäste, so der VBB.

Als zuverlässiger als die S-Bahn erwiesen sich die Verkehrsmittel der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Nach dem neuen Qualitätsbericht des Centers Nahverkehr Berlin fielen bei Bussen, U- und Straßenbahnen im dritten Quartal dieses Jahres nicht mal 0,5 Prozent der Fahrten aus. Bei der U-Bahn wurden 98 Prozent der Fahrten als pünktlich registriert, bei der Straßenbahn immerhin 91,2 Prozent. Schlusslicht war der Busverkehr mit 84,6 Prozent.