Berlin - Der Zusammenbruch des Berliner Bahnverkehrs in der vergangenen Woche, der zu vielen Zugausfällen und Verspätungen geführt hatte, war nicht der erste Vorfall dieser Art. Vor knapp fünf Jahren ist schon einmal ein Test an einer Stromversorgungsanlage schief gelaufen – ebenfalls mit der Folge, dass S-Bahnen und andere Züge stundenlang nicht fahren konnten. Das hat die Deutsche Bahn (DB) jetzt bestätigt.

Auch der damalige Test hatte an einem Vormittag begonnen.  Die DB hält die beiden Vorfälle nicht für vergleichbar, wie ein Sprecher betonte. Doch das sieht Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), anders. Die Bahn sei gewarnt gewesen, zu welchen Folgen eine solche Überprüfung tagsüber führen kann – und hätte schon damals die Tests in die nächtliche Betriebspause verlegen sollen.

„Es geht um das Prinzip, dass an Anlagen, die betriebs- und sicherheitsrelevant sind, während der Betriebszeit getestet wird – ohne dass für den Fall, dass die Tests schiefgehen, ausreichende Rückfallebene verfügbar sind“, sagte Franz der Berliner Zeitung. Schließlich sei es das „grundsätzliche Wesensmerkmal eines Tests“, dass eine solche Überprüfung auch mal missglücken kann.

Blackout bei Inspektionsarbeiten

Genau das war am 13. Februar 2007 passiert. Der Blackout ereignete sich bei Inspektionsarbeiten, einem so genannten Netzausfalltest, an der gemeinsamen Stromversorgung der Stellwerke in Wannsee. Mit ihrer Hilfe steuert die DB Netz den S-, Fern- und Regionalbahnverkehr im Südwesten Berlins und im angrenzenden Umland. „Um 10.56 Uhr wurde der Netzausfall simuliert“, berichtete der Bahnsprecher.  

Anfangs lief alles nach Plan: Das für solche Fälle bestehende Netzersatzaggregat startete und übernahm um 10.57 Uhr die Einspeisung von Elektrizität. Doch unmittelbar darauf meldete die Stromversorgung eine Störung. „Es kam zum Ausfall der Stromversorgung und der Stellwerkstechnik,“, so die Bahn. „Durch sofortige Wiedereinschaltung des Landesnetzes wurde versucht, die Versorgung wieder herzustellen.“ Doch das war nicht sofort möglich, da sich die Technik in einer „nicht rücksetzbaren Störstellung befand“. Einem Siemens-Monteur gelang es, den Störungsspeicher zurückzusetzen, sodass die Stromversorgung wieder gesichert war.  Nachdem dann noch die Rechner in den Unterstationen Grunewald und Griebnitzsee wieder hochgefahren worden waren, begann der Zugverkehr wieder.

 Bis dahin war allerdings viel Zeit vergangen – und viele Tausend Fahrgäste waren gestrandet. Die Fernbahn war um 13, die S-Bahn um 13.30 Uhr wieder in Betrieb.

 Welcher Fehler zum Ausfall der Stromversorgung geführt hatte, „konnte im Nachhinein nicht mehr ermittelt werden“, so die Bahn. Es habe auch keinen Defekt an Bauteilen gegeben.

Ab sofort nur noch Nacht-Tests 

Bei dem Zwischenfall in der Betriebszentrale von DB Netz am 15. Dezember war das anders gewesen. Dort waren bei einem routinemäßigen Test des Notstromversorgung Bauteile, zwei so genannte Wechselrichter, nacheinander ausgefallen.

Inzwischen hat die DB Konsequenzen gezogen: Tests dieser Art finden nun nur noch in der Nacht statt, wenn keine S-Bahnen fahren, teilte die Bahn am 16. Dezember mit.

Eine gute Entscheidung, doch sie kam zu spät, so Franz. Der VBB habe dies schon damals gefordert. Doch er bekam zur Antwort, dass nachts die Personalkosten zu hoch seien.