Berlin - Die Gefahr im Bahnhof Friedrichstraße ist offenbar noch nicht gebannt. Experten sind sich sicher, dass an weiteren Stellen Beton verbaut worden ist, wo sich kein Beton befinden dürfte. „Davon gehen wir aus“, sagte ein Bahnsprecher. Der Baumangel hatte dazu geführt, dass am Donnerstag ein mehr als 20 Kilo schwerer Betonbrocken abplatzte und durch die Hallendecke ins Erdgeschoss stürzte. Nur durch Zufall wurde niemand verletzt.

Dem Vernehmen nach sind die Gutachter bereits an einer weiteren Stelle fündig geworden. Am Gleis 3, gegenüber der Unglücksstelle am Gleis 4, gebe es offenbar dasselbe Problem, hieß es am Mittwoch. Um Gefahren auszuschließen, ließ die Deutsche Bahn (DB) in der Halle weitere Schutzgerüste aufstellen.

Der Betonbrocken war an einer Stelle abgebrochen, wo Stahlträger der Bahnsteigkonstruktion auf dem Gleistrog aufliegen. Sie müssten wie bei einer Brücke genug Bewegungsfreiheit haben – zum einen, damit die von den Zügen ausgehenden Schwingungen ausgeglichen werden können, zum anderen, weil sich der Stahl je nach Temperatur zusammenzieht oder ausdehnt. Doch weil an dieser Stelle während der Bahnhofssanierung in den 1990-er Jahren Beton verbaut worden war, konnten sich gefährliche Spannungen aufbauen. Dieser Baumangel ist offenbar kein Einzelfall, hieß es.

Sanierung erforderlich

Die DB lässt nun nach Absprache mit dem Eisenbahn-Bundesamt weitere Risikobereiche oberhalb der Hallendecke untersuchen, zunächst im Bereich der Gleise 3 und 4. So lange die neuen Schutzgerüste aufgestellt werden, dürfen Fern- und Regionalzüge im Bahnhof Friedrichstraße nur noch Tempo 20 fahren, damit sie nicht mehr so große Schwingungen verursachen. Das soll die Gefahr, dass weitere Betonbrocken abbrechen und Arbeiter verletzen, mindern. Allerdings hat das Tempolimit die Kapazität der Strecke verringert. Deshalb werden die Regionalexpresszüge der Linie RE 2 über Lichtenberg umgeleitet, die Regionalbahnen RB 21 und 22 enden und beginnen am Zoo. Diese Einschränkungen werden noch einige Tage andauern, so die Bahn.

DB-Mitarbeiter gehen davon aus, dass die Risikobereiche saniert werden müssen. Ein Gutachter prüft, wie das ablaufen könnte. Die DB hofft, dass keine größeren Einschränkungen erforderlich sind.