S-Bahnhof Neukölln: Unbekannter zündet Schlafsack von Obdachlosen an

Es ist bitterkalt in der Nacht zu Dienstag. Zwei Obdachlose suchen Schutz im Vorraum des S-Bahnhofs Neukölln. Doch dort werden sie brutal angegriffen.

Ein unbekannter Mann hatte gegen 2.40 Uhr die beiden 22 und 33 Jahre alten Obdachlosen aggressiv aufgefordert, den Vorraum des S-Bahnhofs zu verlassen. Da jedoch draußen bereits minus vier Grad herrschten, ließen sich die beiden an einer Wand nahe des Ausgangs nieder, anstatt den Bahnhof zu verlassen.

Schlafsack gehörte offenbar einem dritten Obdachlosen

Darüber habe sich der Unbekannte empört und sei nach einer lautstarken verbalen Auseinandersetzung aus der Bahnhofshalle gelaufen. "15 Minuten später brannten plötzlich ein Schlafsack und eine Jacke", erklärte ein Sprecher der Bundespolizei. Offenbar hatte der Unbekannte fünf Meter neben den beiden Obdachlosen Sachen eines dritten Wohnungslosen angezündet. Unklar ist laut Bundespolizei, wem die abgebrannten Sachen gehören.

Einer der Obdachlosen hatte den brennenden Schlafsack auf die Straße gezogen, wo er von der eintreffenden Feuerwehr gelöscht wurde. Anschließend wurde auch das Feuer in der Bahnhofshalle selbst gelöscht. Die beiden Obdachlosen wurden nicht verletzt, standen jedoch unter Schock. Sie wurden von der Bundespolizei vernommen und verließen dann den Bahnhof. Die Opfer vermuten, dass der unbekannte Pöbler zurückkam und die Sachen anzündete. Die Bundespolizei ermittelt nun wegen Sachbeschädigung.

Tat erinnert an die Feuerattacke vom U-Bahnhof Schönleinstraße

Es ist nicht der erste brutale Angriff dieser Art auf Obdachlose. Besondere Aufmerksamkeit hatte ein Fall an Weihnachten 2016 erregt: Sechs junge Männer hatte auf dem U-Bahnhof Schönleinstraße absichtlich ein brennendes Taschentuch auf einen schlafenden Obdachlosen geworfen. Nur der Zufall rettete den Mann: Passanten bemerkten das Feuer und löschten es.

Das Tatgeschehen auf dem Bahnsteig war von einer Überwachungskamera der BVG gefilmt worden. Fünf der sechs Männer hatten sich nach der Veröffentlichung ihrer Bilder selbst gestellt. Der Haupttäter Nour N. wurde im Juni 2017 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt, die anderen Täter zu Jugendarrest und Bewährungsstrafen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Sie will ein Urteil wegen versuchten Mordes erreichen.

Erst Mitte Januar dieses Jahres hatte es einen weiteren brutalen Angriff auf Obdachlose gegeben: Ein Unbekannter hatte im U-Bahnhof Yorckstraße drei Männer getreten und geschlagen. Einem Obdachlosen stach er mit einem spitzen Gegenstand ins Bein. Nach dem Täter wird noch immer gesucht. Die Polizei wertet die Bilder einer Überwachungskamera aus. Ob es eine Öffentlichkeitsfahndung gibt, ist noch unklar.

Nachts herrscht Lebensgefahr für Obdachlose

Derzeit suchen wegen der Kälte viele Obdachlose nachts Schutz in S- und U-Bahnhöfen. Draußen zu schlafen, bringt die Menschen in Lebensgefahr. In der Nacht zu Sonnabend gab es vermutlich bereits den ersten Kältetoten in diesem Jahr in Berlin: Passanten hatten der Feuerwehr einen leblosen Mann in einem Rollstuhl unter der S-Bahn-Brücke am Hackeschen Markt gemeldet. Bei dem Toten handelt es sich nach Angaben eines Polizeisprechers um einen 49-jährigen Mann aus Polen. „Fremdverschulden schließen wir aus“, so der Sprecher. Kumpels des Toten vermuten, dass die Kombination aus Kälte und Alkohol dem Mann den Tod brachten.

Kältebus oder Rettungsdienst rufen

Wer bei niedrigen Temperaturen jemanden draußen ungeschützt schlafen sieht, sollte die Person wecken. Wer unsicher ist, was zu tun ist, kann auch die Polizei unter 110 anrufen. Bei akuter Gefahrensituation den Rettungsdienst unter 112 alarmieren.

Der Wärmebus des DRK ist täglich 18 bis 24 Uhr unterwegs (Tel.: 0170–910 00 42), der Kältebus der Stadtmission von 21 bis 3 Uhr (Tel.: 030–810 56 04 25)