S1 und S5 : Verstärkerzüge der S-Bahn verspäten sich auf unbestimmte Zeit

Eigentlich sollten sie vom 3. Januar an wieder fahren. Doch dazu wird es nun nicht kommen. Nach Informationen der Berliner Zeitung fallen die Verstärkerzüge auf den S-Bahn-Linien S1 und S5 auch künftig aus. Ein neuer Termin sei nicht in Sicht, der S-Bahn Berlin GmbH stünden die nötigen Wagen immer noch nicht zur Verfügung. Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn leidet unter einem gravierenden Fahrzeugmangel, den die Fahrgäste zu spüren bekommen: in Form von vollen, zu kurzen Zügen.

Es ist schon einige Zeit her. Vor den Sommerferien fanden zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz sowie zwischen Mahlsdorf und Lichtenberg zum vorerst letzten Mal Verstärkerfahrten statt. Seitdem waren die Züge, die bei der S-Bahn die Funknamen „Pastor“ und „Eiche“ tragen, nicht mehr unterwegs. Für die Fahrgäste auf den Linien S1 und S5 heißt das, dass ihnen montags bis freitags im Berufsverkehr spürbar weniger Fahrten als früher angeboten werden. Sie müssen sich in andere S-Bahn-Züge drängen – die oft schon voll sind.

"Der Lieferant ließ uns hängen"

Ursprünglich sollten die Verstärker nach den Sommerferien wieder fahren, dann war von einem Neustart nach den Sommerferien die Rede. Nun ist klar: Auch nach Neujahr wird es nicht klappen. Der Grund ist in allen Fällen derselbe. Die Baureihe 481, die den größten Teil der Flotte bildet, muss turnusmäßig mit neuen Radsätzen ausgestattet werden. Weil die Wagen eine bestimmte Kilometerzahl hinter sich gebracht haben, müssen Achsen und Räder getauscht werden – dabei kommt es zu Verzögerungen.

Anfangs klemmte es vor allem bei den Achsenlieferungen. „Der Lieferant ließ uns hängen, wir bekamen Achsen und Anbauteile viel zu spät“, sagte ein S-Bahner. Die Reserven, die S-Bahn-Techniker in den Zeitplan eingebaut hatten, schmolzen rasch dahin. Und so stauten sich immer mehr Züge, die ihre Laufleistungen erreicht hatten und keine Fahrgäste mehr befördern durften, vor den Werkstätten. Zwar konnte der Stau inzwischen zwar verkleinert werden, doch immer noch fehlen zu viele Wagen, um den Fahrgästen ein verlässliches Angebot an Verstärkerzügen bieten zu können.

Auch Personal fehlt

Angesichts der andauernden Fahrzeugprobleme setzt die S-Bahn zudem auf mehreren Linien kürzere Züge als sonst ein. „Auf den Linien S1, S3, S45, S75 und S85 gibt es teilweise reduzierte Zugstärken – oder ganze Umläufe entfallen“, sagte Eike Arnold vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). „Gründe sind neben der Zug- auch die Personalverfügbarkeit“ – es sind nicht genug Lokführer verfügbar.

Die Bilanz für Mittwoch: Zur Hauptverkehrszeit am Morgen konnten 496 Zwei-Wagen-Einheiten bereitgestellt werden. Das sind weniger als zwischen S-Bahn und Verkehrsverbund abgestimmt. Gefordert sind 520 Zwei-Wagen-Einheiten, zusätzlich werden zehn Einheiten als Betriebsreserve benötigt. S-Bahner berichten, dass Fahrgäste mit den Änderungen zum Fahrplanwechsel am Sonntag unzufrieden sind. So fährt die S75 aus Wartenberg seitdem nur noch bis Ostkreuz. Die S85, die bis vergangene Woche früher Waidmannslust mit Grünau verband, hat nun eine neue Strecke. „Fahrgäste vermissen die Direktverbindung“, hieß es.