Die endgültige Führung des Tunnels sei zudem noch nicht festgelegt, man stimme Bedenken hinsichtlich der künftigen Planungen ab.
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BerlinBisher kann man auf der Schiene nur mit dem Regional-Express zwischen Potsdamer Platz und Hauptbahnhof pendeln. Das soll sich ändern – und zwar mit dem Bau der neuen S-Bahnlinie S21. Während beim ersten Bauabschnitt von Wedding zum Hauptbahnhof nach Angaben der Senatsverkehrsverwaltung alles nach Plan laufe und der Abschnitt 2026 fertig sein soll, führt der zweite Bauabschnitt – also der zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz – nun zu Unstimmigkeiten zwischen Bund und Land.

S21-Ausbau: Angst vor Schäden am Reichstag

Denn die unterirdische Verlängerung zum Potsdamer Platz verläuft in der Nähe des Reichstags. Vonseiten der Bundestagsverwaltung waren Befürchtungen laut geworden, dass es durch den Bau der S21 möglicherweise zu Beschädigungen der Regierungsgebäude und Beeinträchtigungen des Sitzungsbetriebes des Bundestages kommen könnte.

Nun hat der Vizepräsident des Bundestags, Wolfgang Kubicki (FDP), dem Berliner Senat die Verbreitung falscher Informationen vorgeworfen: Kubicki teilte am Wochenende mit, einen Tunnel, der das Reichstagsgebäude gefährde, werde es nicht geben. „Bundestag und Bahn arbeiten jedoch an einer Lösung, die dieses Risiko ausschließt.“ Diese Planungsarbeiten stünden kurz vor dem Abschluss. „Es ist deshalb bedauerlich, dass die Berliner Verkehrsverwaltung mit unzutreffenden Äußerungen die Öffentlichkeit beunruhigt.“

Bericht über Blockade des S21-Ausbaus

Hintergrund für Kubickis Statement war ein Bericht des Tagesspiegels. In dem Artikel wird ein leitender Senatsbeamter zitiert, der behauptet, dass der Bundestag den Ausbau der S-Bahn bremse. Seit mehr als zwei Jahren schon würde die Verwaltung des Bundestags die Planungen für die unterirdische Verlängerung blockieren. Wer der Senatsbeamte ist, wird in dem Artikel allerdings nicht benannt.

Aus dem Bundestag meldete sich daraufhin eine Sprecherin zu Wort, die betonte, dass man sich eng mit der Leitung der Bahn über die Führung der Trasse abstimme. Das sei der Sorgfaltspflicht geschuldet und habe mit einer Blockadehaltung nichts zu tun.

Die Verkehrsverwaltung des Senats dementierte am Sonntag, dass man dem Bundestag eine Blockadehaltung vorwerfe. Man befinde sich in einem „konstruktiven Austausch“ mit dem Bundestag und der Deutschen Bahn. „Von einer Blockade kann daher nicht die Rede sein. Es geht um Abstimmungen über eine sichere Trassenführung. Diese Abstimmungen sind auf gutem Weg“, sagte ein Sprecher der Verkehrsverwaltung. Wegen der Nähe der möglichen Trassenführung zu den Regierungsbauten und insbesondere zum Reichstagsgebäude seien im Rahmen der vertiefenden Planung „intensive Abstimmungen mit der Bundestagsverwaltung als Betroffenem der Maßnahme“ getroffen worden, hieß es weiter.

Endgültige Führung noch offen

Die endgültige Führung des Tunnels sei zudem noch nicht festgelegt, man stimme Bedenken hinsichtlich der künftigen Planungen ab. Dabei geht es konkret um die Abstände des Tunnels zum Reichstag, damit es zu keinen Beeinträchtigungen kommt. So wurden Trassen östlich und westlich sowie Kombinationen untersucht. Kompliziert ist die Planung auch deshalb, weil man mit dem Tunnelbau ein schon bestehendes Tunnelstück zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor erreichen will.

Anfang 2020 soll der Plan der Bau- und Raumkommission des Ältestenrates des Deutschen Bundestages vorgestellt werden. In diesem Gremium sind alle sechs Fraktionen vertreten. Groben Planungen zufolge soll die gesamte Strecke im Jahr 2036 fertiggestellt sein.