Berlin - Radikale Islamisten haben eine neue Art entdeckt, ihre Hass-Propaganda zu verbreiten: Von der Telefonnummer 0157-874 10554 erhalten zahlreiche Berliner derzeit eine SMS mit folgendem Text: „Entweder du konvertierst zum Islam oder du wirst zu den Insassen der Hölle gehören. Niemand ist der Anbetung würdig, außer Allah, der Allmächtige!“ Manche Empfänger sind schockiert und wenden sich an die Polizei, andere fühlen sich einfach nur belästigt.

Am Ende der Kurznachricht steht ein Link zu einer Internetadresse des Vereins „Haus des Korans“, bei dem man die kostenlose Koranausgabe der Aktion „Lies!“ bestellen kann. Organisiert wird jene Aktion von Salafisten, Anhängern einer besonders fundamentalistischen Strömung des Islams. Salafisten predigen eine Art Steinzeit-Islam und legen den Koran wörtlich aus. Viele militante Dschihadisten und Selbstmordattentäter gehören beziehungsweise gehörten dieser Glaubensrichtung an.

Die „Lies!Stiftung“ des salafistischen Netzwerks „Die Wahre Religion“ hatte im Jahr 2012 und 2013 Aufsehen erregt, als ihre Helfer in Deutschland 25 Millionen kostenlose Koran-Exemplare verteilten. Die salafistische Szene wird vom Verfassungsschutz mit Sorge beobachtet, nicht nur, weil sie als gewaltbereit eingestuft wird, sondern auch, weil sie rasant wächst und vor allem auf junge Menschen anziehend wirkt. Mittlerweile leben laut Behörden allein in Berlin 500 dieser Fanatiker.

Zu diesen gehört auch der SMS-Versender. Er wohnt in Spandau. Seinen richtigen Namen sagt er nicht sondern seinen Beinamen: Abu Tarbush. Zurzeit geht er das Berliner Telefonbuch durch, um seine Propaganda zu verschicken. „Ich habe bei Z angefangen und bin jetzt bei K“, sagt Abu Tarbush.

Die Taliban als Vorbild

Es sei seine religiöse Pflicht, die Leute damit zu konfrontieren, dass der Islam die einzige wahre Religion sei. Ihm ist es dabei egal, ob er Leute belästigt, die bereits anderweitig konfessionell gebunden sind. So wurde im April ein 74-jähriges evangelisches Rentnerpaar aus Lichtenrade von ihm belästigt. Und erst am Montag meldete sich erneut ein besorgter Handyinhaber bei der Polizei.

Abu Tarbush ist nach eigenen Angaben von Beruf „islamischer Missionar“. Und er droht jedem die Hölle an, der nicht zu seinem Glauben übertritt. Für ihn vertreten die Taliban in Afghanistan den wahren Glauben. Wirres Zeug, könnte man meinen. Doch die Sicherheitsbehörden haben den Mann im Visier.

Nach Angaben des Berliner Verfassungsschutzes handelt es sich bei seinen SMS-Belästigungen um eine besonders offensive Art von Missionierungsbemühungen, die jedoch nach Bewertung von Polizei und Staatsanwaltschaft „keinen Anlass für strafrechtliche Maßnahmen“ hergebe – noch nicht.

Folgen Sie unserem Kriminalreporter Andreas Kopietz auf Twitter