Saldern-Gymnasium: Schulleiter verteidigt Auftritt von AfD-Chef Meuthen

Brandenburg/Havel - Eine Schule mit dem offiziellen Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ lädt den AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen zu einer Diskussion vor Schülern ein. Ist das gelebte Demokratie oder ist das politische Naivität?

Mit dieser Frage muss sich dieser Tage das städtische „von Saldern Gymnasium“ in Brandenburg/Havel auseinandersetzen, denn genau wegen einer solchen Gesprächsrunde am 9. Mai gibt es nun Kritik – und die kommt von Schülern, die anonym beklagen, dass man die AfD nicht einladen dürfe.

Vorwurf: AfD sei rassistisch

Nicht in der Schule, aber in deren Umfeld sind Flugblätter aufgetaucht, auf denen steht „Keine AfD am Europatag!“ und „Zeig Courage und verhindere den Auftritt von Vertreter und Vertreterinnen einer rassistischen Partei“.

Schulleiter Thomas Reuß sagte am Donnerstag der Berliner Zeitung, dass es im Vorfeld zu der Veranstaltung auch in der Lehrerschaft eine lange Diskussion gab.

„Ich kann nachvollziehen, dass es für manche Schüler, Lehrer und Eltern schon ein wenig widersprüchlich ist, dass wir einerseits den Begriff ’Schule ohne Rassismus’ im Namen führen und nun einer politischen Strömung unsere Tür öffnen, die in diese Richtung hineindriftet.“ Es habe Sorge gegeben, dass der Ruf der Schule Schaden nehmen könne.

Lange Tradition

Der Schulleiter hebt erst einmal hervor, dass die Veranstaltung mit Jörg Meuthen keine Pflicht sei, jeder könne sich in die Teilnehmerlisten eintragen und Minderjährige bräuchten wie immer die Erlaubnis ihrer Eltern.

Und es sei vor allem nicht die einzige Veranstaltung. Der Europatag habe eine lange Tradition, seit die Schule 2010 zur Europaschule ernannt wurde. Es gibt dutzende Veranstaltungen in den Klassenstufen 5 bis 11, an denen sich etwa 500 der mehr als 800 Schüler beteiligt.

Auch zwei Botschafter kommen

Die Schulleitung ärgert sich auch, dass die Kritik nur anonym auf Flugblättern und in Internetforen erfolgt und damit die lange und ernsthafte Arbeit der Schüler, die alles organisiert haben, diskreditiert wird. Denn es wird zum Beispiel nicht gesagt, dass auch die Botschafter aus Belgien und Malta kommen.

Entscheidend ist für die Schule, dass es keine Einzelveranstaltung ist, bei der ein AfD-Politiker allein mit den Schülern debattiert und diese dann einseitig propagandistisch beeinflussen kann. „Das hätte ich wohl nicht erlaubt“, sagte der Schulleiter.

„Macht und Verantwortung“

Die Schüler der 11. Klassen, die die Sache organisiert haben, wollten ganz bewusst alle im Bundestag vertretenen Parteien einladen – auch die AfD. Das Thema lautet: „Macht und Verantwortung – Deutschlands Rolle in Europa in Anbetracht globaler Krisen“.

Zugesagt haben die Ex- Oberbürgermeisterin von Brandenburg, Dietlind Tiemann, die jetzt für die CDU im Bundestag sitzt, außerdem die Publizistin Anke Domscheit-Berg für die Linke, der SPD-Landtagsabgeordnete Ralf Holzschuher, Linda Teuteberg, FDP-Bundestagsabgeordnete, Marie-Luise von Halem von den Grünen im Landtag – sowie für die AfD Jörg Meuthen.

„Wir haben uns dazu entschlossen, die Idee der Schüler zu unterstützen“, sagte der Schulleiter. Denn die Schule sei nicht nur ganz bewusst eine Schule ohne Rassismus, sondern auch mit Courage. „Und wer etwas gegen Rassismus unternehmen will, muss auch Courage zeigen“, sagte er. Und genau deshalb nehme die Schule den zweiten Teil des Namens in diesem Falle sehr ernst.

„Auseinandersetzung statt Ausgrenzung“

„Eine intensive Auseinandersetzung ist ein viel probateres Mittel, um einer bestimmten politischen Strömung Einhalt zu gebieten, als immer nur auf Ausgrenzung zu setzen.“ Die Schule erwarte natürlich, dass die anderen Politiker genauso viel Mut in der Auseinandersetzung aufbringen wie die Schule. „Die anderen Politiker werden schon wehrhaft genug sein“, sagte Schulleiter Thomas Reuß. „Und wenn nicht, helfen wir ihnen.“

Die Sache sei trotz der Debatten, auf die Schule gern verzichtet hätte, durchaus aber auch eine willkommene Ergänzung zum Fach Politische Bildung, sagte der Schulleiter. Die Debatte sei sehr lehrreich für alle.