Die Salvador-Allende-Brücke ist wieder offen.
Foto: Morris Pudwell

Berlin-KöpenickErleichterung im Südosten Berlins: Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) hat den Verkehr über die Salvador-Allende-Brücke am Freitag gegen 14 Uhr freigegeben. Seit fast zehn Monaten war das Bauwerk wegen Einsturzgefahr gesperrt gewesen, was zu Umleitungen, Einbahnstraßen-Regelungen und Staus in und um die Köpenicker Altstadt geführt hatte.

Allerdings steht pro Richtung lediglich eine Fahrspur zur Verfügung, weil erst die westliche der beiden neuen Einzelbrücken fertiggestellt ist, wenn auch fünf Wochen früher als zunächst geplant. Und das, obwohl sich im Februar bei den Bauarbeiten eine schwere Havarie ereignet hatte.

Eine Baufirma hatte bei Bohrarbeiten gleich zwei Hochspannungskabel zerstört, vom 19. bis 20. Februar waren über 31000 Haushalte und rund 2000 Betriebe 30 Stunden lang ohne Strom.

Salvador-Allende-Brücke: Standsicherheit war gefährdet

Die 1981 fertiggestellte, 136 Meter lange Brücke war schon seit Jahren ein Sorgenkind der Senatsbauverwaltung. Der westliche Teil musste bereits 2014 gesperrt werden, weil „Betonkrebs“ an ihr nagte. Der Verkehr wurde auf die östliche Seite verlegt.

Bei Abrissarbeiten zur Vorbereitung eines Neubaus kam es 2018 zu einem Fehler, der die Standsicherheit des östlichen Bauwerks gefährdete. Es verdrehte sich, es gab Risse, die Brücke musste vollständig gesperrt werden. Eine schwere Einschränkung unter anderem auch für das DRK-Krankenhaus Köpenick. Der Ärztliche Leiter Professor Dr. Matthias Pross: „Wir freuen uns, dass die Brücke wieder geöffnet ist und unsere   Patienten uns nun wieder leichter erreichen können. Mit der Wiedereröffnung wird die Verkehrssituation in Köpenick verbessert – was unseren Patienten als auch den Rettungsdiensten zu Gute kommt.“ Sie hatten die Klinik von Norden her nicht mehr erreichen können, mussten andere Kliniken ansteuern.

Die BVG musste die Strecken der Buslinien X69, 169, 269 und N67 verlegen, sie kehren am heutigen Sonnabend wieder auf ihre reguläre Streckenführung über die Brücke zurück.

Jetzt muss noch der östliche Brückenteil abgerissen werden, der Ersatz, jetzt aus Stahl, soll Ende 2021 fertiggestellt werden. Die Gesamtkosten werden sich dann voraussichtlich auf gut 37 Millionen Euro belaufen haben.

Die BVG weist vorsorglich darauf hin, dass der 169er im Bereich Seelenbinderstraße wegen eines Wasserrohrbruchs Ende August weiter umgeleitet werden, voraussichtlich bis Ende Januar.

Östlicher Brückenteil wird noch abgerissen

Jetzt muss noch der östliche Brückenteil abgerissen werden, der Ersatz, jetzt aus Stahl, soll Anfang 2021 fertiggestellt werden. Die Gesamtkosten werden sich dann voraussichtlich auf gut 37 Millionen Euro belaufen haben.

Kurt Regehly (68) ging schon vor der offiziellen Eröffnung über die neue Brücke: „Das habe ich schon kurz nach der Fertigstellung getan, habe die Freigabe damals auch nicht abgewartet.“ Er ist froh, dass der Verkehr wieder läuft. Der Rahnsdorfer, der noch immer im Einkauf einer Firma in Adlershof tätig ist: „Vor der Sperrung habe ich eine halbe Stunde mit dem Auto zur Arbeit gebraucht, danach fast eine Stunde.“

Bei der Eröffnung der Allende-Brücke machte Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel (SPD) klare Andeutungen, dass er sich noch mehr Anstrengungen für seinen Bezirk wünscht: Die denkmalgeschützte Lange Brücke am Schloss beispielsweise ist ein Engpass, seit Jahrzehnten mit einem Behelfsbau ergänzt.

Lutz Adam, Abteilungsleiter Tiefbau in der Senatsverkehrsverwaltung, machte aber wenig Hoffnungen auf eine schnelle Lösung. Das Bauwerk wird zwar 2020 instandgesetzt, die Behelfsbrücke wird auch saniert. Es soll aber erst 2020 klar sein, was danach passiert ­ ein Neubau oder die Erhaltung mit einer zweiten Brücke daneben, um den Verkehr zu bewältigen. Denkmalschützer wollen die Lange Brücke, die ein Jahrhundert alt ist, erhalten, was nach Adams Auffassung kaum möglich ist.

Elsenbrücke nur halbseitig nutzbar

Mit dem Fortgang der Arbeiten an der Salvador-Allende-Brücke ist die Bauabteilung der Senatsverkehrsverwaltung ihre Sorgen noch nicht los. Eine Vielzahl von Brücken in der Stadt muss ebenfalls saniert werden.

So ist beispielsweise die 1968 fertiggestellte Elsenbrücke über die Spree seit nur halbseitig nutzbar, nachdem der östliche der beiden Teile Ende August 2018 gesperrt werden musste. Ein langer Riss hatte sich aufgetan, Untersuchungen ergaben, dass der Spannbetonbau nicht mehr zu retten ist. Im kommenden Jahr wird der defekte Brückenteil abgerissen, was kompliziert ist und neun Monate dauern wird. Anschließend wird eine  eine Behelfsbrücke errichtet werden, bevor der zweite Brückenteil verschwindet. Die erste Überfahrung soll dann 2025, die zweite 20258 fertig sein. Das wird zum Problem werden, weil die Zwischenlösung den Verkehr von der A 100 aufnehmen muss, deren Verlängerung nach Treptow 2022 in Betrieb gehen soll.

Auch die Mühlendammbrücke soll neu gebaut werden

Damit die Mühlendammbrücke nicht das gleiche Schicksal wie die gleich alte Elsenbrücke erleidet, wurde die Zahl der Spuren auf der mit täglich über 70.000 Fahrzeugen hoch belasteten Brücke von acht auf sechs reduziert. In drei Jahren soll mit einem Neubau begonnen werden.

Schließlich droht das vollkommene Verkehrschaos auf dem Stadtring, die ersten Baugrunduntersuchungen für die neue Rudolf-Wissell-Brücke führten in dieser Woche schon zu Sperrungen des Dreiecks Charlottenburg. Abgerissen und neu gebaut werden soll aber erst von 2023 an. Damit die täglich 185.000 Fahrzeuge auf der Brücke nicht die Stadtstraßen verstopfen, lässt der Bund als Bauherr und Finanzier des 200-Millionen-Euro-Projekts eine Behelfsüberführung errichtet.