Berlin - Oralverzehr und Samengenuss – an der neuen Plakatwerbung des Saft-Ladens „True Fruits“ scheiden sich die Geister. Vielen schmecken dessen Schmuddel-Slogans nicht. Besser gesagt, sie bleiben ihnen im Halse stecken. Der Werberat ermittelt, es gibt Plakat-Verbote in mehreren Städten.

Auch der Pankower Grünen-Politikerin Daniela Billig bereitet der Saft Bauchschmerzen. „Extrem abstoßend“, fällt ihr dazu als erstes gegenüber dem Berliner Kurier ein. „Das ist so tief unter der Gürtellinie. Ich glaube, damit werden sie ihren Saft nicht besser verkaufen können. Ich kann mir nicht vorstellen, das zu trinken.“ Sprüche wie „Bei Samenstau schütteln“ neben zwei abgebildeten Saftflaschen lösen bei ihrem Partei-Kollegen Benedikt Lux nur einen müden Gähner aus: „Ich finde das langweilig. Eine billige Effekthascherei.“

In zwei Städten bereits verboten

Der Deutsche Werberat läuft dagegen Sturm. Drei Mahn-Briefe an „True Fruits“ in einer Woche. Deren Vorwurf: Durch die Kampagne werden Männer diskriminiert und sexuell herabgewürdigt. Selbst einige „True Fruits“-Fans ist die Schmuddel-Kampagne zu schlüpfrig. Beate Sckell sagt auf Facebook: „Uh, mit der Werbung habt ihr mich verloren. Ich habe schon Mühe mit KiBa.“ Und bei Rosa Stader löst das Plakat „Würgereiz aus“. Dabei sind die Fans doch aus der Vergangenheit schon einiges von „True Fruits“ gewöhnt – zum Beispiel Smoothies namens „Einhornkotze“ oder „Quotenschwarzer“.

In München wurden drei der insgesamt vier Motive der neuen Werbekampagne verboten. Lediglich der Spruch „Besamt und befruchtet“ wurde zugelassen. Allerdings hat das Unternehmen auf Privatgrundstücken dennoch einige der untersagten Plakate aufgehängt. So ist an einigen Orten trotzdem das Plakat mit dem Slogan „Oralverzehr - schneller kommst Du nicht zum Samengenuss“ für die Münchener zu lesen. Auch Stuttgart stellte sich gegen die Fruchtsaft-Kampagne. Zudem haben einige Verkehrsbetriebe auf eine Plakatierung verzichtet.

"Wir finden die Sprüche lustig"

Die ersten Saft-Plakate tauchten Anfang der vergangenen Woche auf und sollen zehn Tage in zwölf deutschen Städten hängen, unter anderen in Berlin. Für „True Fruits“-Mitgründer Nicolas Leclouxspielt spielt die Kritik derweil keine Rolle: „Wir haben darüber nachgedacht, ob diese Art der True-Fruits-Kommunikation öffentlichkeitstauglich ist, kurz überlegt und festgestellt, dass es uns egal ist.“ Zudem versteht er die ganze Aufregung nicht. „Wir finden die Sprüche lustig.“

Um den Verkauf des Saftes mit Chiasamen geht es bei der PR wohl nur am Rand. Der Bonner Smoothie-Hersteller „True Fruits“ (24 Mitarbeiter) setzt damit wohl eher auf eine enorme Erhöhung seines Bekanntheitsgrades. 50 Millionen Kontakte sollen so erreicht werden.