"Sammys Abenteuer 2": Bunte Premiere im Schnee von Marzahn

Berlin - Üblicherweise finden Berliner Filmpremieren am Potsdamer Platz statt. Der liegt so praktisch zentral, außerdem ist er auch geräumig genug für größere Fan-Aufläufe und für gigantische Dekorationen wie zuletzt beim "Wolkenatlas". Weil dort die Touristen sowieso unterwegs sind, ist immer für Zaungäste gesorgt, die man anderswo in der Stadt erst umständlich herbeikarren oder organisieren müsste.

Wenn die Premiere kleiner und exklusiver geraten darf, wird gern in die Astor Film Lounge am Kurfürstendamm gebeten, wo das Publikum in Ledersesseln sitzt und die Füße lässig auf Hocker legen kann. Abseits dieser Premierenorte wird immer wieder gern das Kino in der Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee gemietet. Besonders bei Premieren, die nicht ganz so teuer werden dürfen und bei Filmen, die sich eher an ein Kunstfilmpublikum wenden, ist dies oft erste Wahl.

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Die Veranstalter der Premiere von "Sammys Abenteuer 2" haben ein ganz anderes Berliner Premierenkino für sich entdeckt. Sie luden ins UCI-Eastgate an der Märkischen Allee. Um auch ja Gäste und Journaille nach Marzahn zu locken, wurde mit der Einladung ein Shuttle-Service von Mitte offeriert. Und später – wegen zu geringer Nachfrage – abgesagt. Für die Marzahner Premiere galt dann auch, was für alle anderen gilt: Die Stars des Films (in diesem Fall: die der deutschen Synchronfassung) werden mit Limousinen abgeholt, dann weiß man auch, dass sie sicher ankommen und nicht irgendwo auf dem Weg verloren gehen. Alle anderen reisen in ihren Privatwagen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln an.

Der Grund für den Ausflug war das Geld (so wie Geld ja fast immer der Grund für alles ist). Der örtliche Wirtschaftskreis spendierte 1.000 Kindern aus dem Bezirk den Kinobesuch und holte so die Premiere mit großen Brimborium nach Marzahn. Schauspieler und Regisseur Detlev Buck, der Sammy seine Stimme geliehen hatte, kam ebenso in den verschneiten östlichen Stadtbezirk wie Schauspieler Axel Stein (Sprecher von Ray) und die beiden Musiker Sascha Vollmer und Alec Völkel von BossHoss, die die Muränen Marco und Philipp gesprochen hatten.

Synchronsprechen "anstrengender als ein Tag als Regisseur"

Sie liefen über den blauen Premierenteppich vorbei an Sonnenstudio und Spielothek, hier die Attraktionen des Einkaufszentrums-Alltags, zum Kino. Das Werbeplakat an der Außenfassade hatten sie wegen des Schneegestöbers wohl übersehen: "Jeden Sonntag ab 20 Uhr Strip-Bowling (Eintritt frei)."

Über seine Eindrücke von Marzahn konnte Buck gar nichts Spezielles sagen, er blieb meteorologisch allgemein: "Ich liebe ja Schnee. Alles wird so schön wattiert und ruhig." Buck wunderte und freute sich, dass trotz des Wetters so viele Premierengäste tatsächlich gekommen waren.

"Sammy 2" startet am 20. Dezember in den Kinos, was Buck nicht als Nachteil ansieht: "Das ist zwar nicht der typische Weihnachtsfilm, weil die Handlung in den Weltmeeren spielt, aber ein guter Kontrast." Die Arbeit im Synchronstudio fand Buck besonders anstrengend: "Ich war nach sieben Stunden total platt. Das ist anstrengender als ein Tag als Regisseur."

In dem Film werden Sammy und Ray von Fischern gefangen und an ein Aquarium verkauft. Während sie mit ihren neuen Freunden einen Fluchtplan entwickeln, machen sich ihre Enkelschildkröten Ricky und Ella auf den Weg, sie zu retten. Sascha Vollmer und Alec Völkel von BossHoss wollten die Einschätzung, dass Animationsfilme so ziemlich das Gegenteil von Rock'n'Roll sind, nicht teilen. Vollmer: "Alles, was Spaß macht, ist Rock'n'Roll. Und wir probieren auf alle Fälle gern mal Neues aus." Völkel ergänzt: "Wir haben ja auch Kinder, mit denen wir ins Kino gehen."

Und Axel Stein weist jeden Verdacht, dass es sich bei Synchronhonoraren um leicht verdientes Geld handelt, von sich. Er erinnert sich an drastische Umstände (und übertreibt bestimmt nur leicht): "Zwölf Stunden bei 40 Grad im Schatten in einer zwei mal drei Meter kleinen Box, das ist schon anstrengend."