Berlin - Die Pflanzen haben ein wenig gelitten, aber sie sehen aus, wie sie aussehen sollen – nach DDR. Zwar stehen einige der hoch aufragenden Blätter etwas schief, aber was macht das schon. Die dunkelgrünen Sansevierien, die im Osten massenhaft in Büros, Hotels oder Parteieinrichtungen zu finden waren und abfällig schon mal „DDR-Pflanzen“ genannt wurden, sind an ihren angestammten Platz zurückgekehrt – ins Büro des früheren Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke. Dort, im 2. Stock von Haus 1 auf dem Gelände des früheren Stasi-Komplexes in Lichtenberg, stehen nun drei Sansevierien wieder am Fenster, die anderen drei neben der Eingangstür. „Die am Eingang leiden immer ein bisschen“, sagt Karin Schulz bedauernd, „jeder Besucher grabbelt sie an.“

Karin Schulz muss es wissen: Sie ist langjährige Mitarbeiterin des Stasi-Museums und so etwas wie die Hüterin des Arbeitszimmers des letzten Stasi-Chefs. Das Museum wird vom Verein Antistalinistische Aktion Normannenstraße geführt, einem Zusammenschluss früherer Bürgerrechtler und Mitglieder des Bürgerkomitees Normannenstraße. Es ist neben der Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen die zweite museale Einrichtung über den DDR-Geheimdienst.

In den vergangenen 18 Monaten allerdings war die Mielke-Etage nicht für Besucher zugänglich: Das achtstöckige Haus 1, das 1960/1961 als Herzstück des Stasi-Areals errichtet wurde und heute das Museum beherbergt, wurde energetisch saniert. Das war auch dringend nötig: Das Dach war undicht, der Brandschutz war unzureichend, Fenster und Türen defekt.

Für 10,6 Millionen Euro saniert

Genau deshalb ist Beate Marvan im November 2010 mit einigen Kollegen von ihrem Schöneberger Büro auf das frühere Stasi-Gelände gezogen. Die 50-Jährige vom Büro „Arnold und Gladisch Gesellschaft von Architekten“ hat als Projektleiterin die Arbeiten überwacht, bis zu 400 Maler, Elektriker, Fensterbauer, Maurer, Trockenbauer, Putzer, Bodenleger, Tischler und Fliesenleger arbeiteten hier. Sie reparierten nicht nur Türen, Fenster und Einbauten, sondern stellten auch alte Grundrisse wieder her und den Anstrich in Mielkes Arbeitszimmer von 1961: in Gelb, Grau und Grün. So viel Feinarbeit hatte ihren Preis: 10,6 Millionen Euro stellte der Bund aus dem Konjunkturprogramm zur Verfügung mit der Maßgabe, dass die Arbeiten bis Ende 2011 erledigt sind.

Eine der kompliziertesten Arbeiten, sagt Beate Marvan, sei die Sanierung der Fassade gewesen. „Sie sollte ausgebessert werden, aber genauso aussehen wie vorher.“ Viel Mühe machte auch die Suche nach einem Linoleum, das den alten Bodenbelag ersetzen sollte. Probleme schuf zudem die bundesdeutsche Bürokratie: Das DDR-Treppengeländer musste durch ein zweites ergänzt werden – stabiler, höher und engmaschiger. „Das alte Geländer entsprach nicht den Vorschriften.“
Es sei seltsam gewesen, an diesem Ort zu arbeiten, sagt die im Osten aufgewachsene Frau, spannend auf der einen Seite, aber auch ein wenig beklemmend. So seien beim vorübergehenden Abbau der Holzeinbauten noch drei Wanzen gefunden worden – die Stasi bespitzelte auch die eigenen Mitarbeiter.

Kein Damenklo für die Stasi-Spitze

Museumschef Jörg Drieselmann, der mit Museum und Mielke-Interieur vorübergehend in einem Nachbargebäude untergebracht war, ist zufrieden mit der Sanierung – aber nicht nur. „Froh bin ich, weil am Haus erheblicher Reparatur-Bedarf bestand“, sagt er. Nicht ganz glücklich sei er, weil Teile der historischen Substanz der Sanierung zum Opfer fielen, etwa die alte Mielke-Küche, die für einen Fluchtweg geopfert wurde.

„Es wäre schön gewesen, die Geschichte der Küche auch weiterhin erzählen zu können“, sagt er. An ihrer Stelle habe die Stasi ursprünglich eine Damentoilette bauen wollen. „Das wurde aber nie realisiert, vermutlich weil ihnen auffiel, dass Damen in der Hierarchie nie so hoch gestiegen wären“. Nun sei die Mielke-Küche ausgebaut worden, „es gibt einfach keinen Platz für sie“. Mit mehr Zeit, so der Museumschef, hätten andere Lösungen gefunden werden können. Der historische Ort werde nun nicht mehr so leicht zu vermitteln sein wie früher. „Früher roch hier alles nach DDR“, sagt Drieselmann, „jetzt riecht es nach Farbe.“