Die Sanierung des Bettenhochhauses der Charité wird teurer als zuletzt geplant. Die Kosten steigen um 17,5 Millionen Euro, weil für die vom Senat bewilligte Summe von 185 Millionen Euro kein Generalunternehmer bereit war, die Arbeiten zu übernehmen. Am Montag akzeptierte der Aufsichtsrat des landeseigenen Uniklinikums das Angebot einer Bietergemeinschaft, die für insgesamt 202,5 Millionen Euro die Hochhaussanierung und einen ebenso geplanten Neubau für die Intensivmedizin und den OP-Trakt auf dem Campus in Mitte realisieren will. Bevor das Konsortium den Zuschlag erhält, müssen der Senat und der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses der Kostenerhöhung noch zustimmen.

„Es ist richtig, zusätzliche Gelder zur Verfügung zu stellen. Uns muss daran gelegen sein, dass die Sanierung voranschreitet“, sagte Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD), die Aufsichtsratsvorsitzende der Charité. Mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), der dem Gremium ebenfalls angehört, sei das Vorgehen abgestimmt. Ein Neubau sei keine wirtschaftliche Alternative. Am heutigen Dienstag soll im Senat über einen Nachtragshaushalt für das Bauprojekt beraten werden. Das Bettenhochhaus steht seit Ende September leer.

Doch aus dem geplanten Baustart in diesem Jahr wird nichts mehr. „Ich gehe davon aus, dass wir im Januar endlich beginnen können“, sagte Charité-Chef Karl Max Einhäupl. „Das ist eine Verzögerung, die wir uns nicht gewünscht haben, aber bei einer Bauzeit von drei Jahren schlägt sie nicht so gravierend zu Buche.“

100 Betten mehr

Klinikumsdirektor Matthias Scheller betonte, die Bietergemeinschaft habe das wirtschaftlichste Angebot unterbreitet. Um welche Unternehmen es sich handelt, könne er aus vergaberechtlichen Gründen erst nach einem Zuschlag bekanntgeben. Dass der Kostenrahmen von 185 Millionen Euro überschritten wurde, führte er darauf zurück, „dass nur wenige Konsortien es sich zutrauen, solche Projekte zu stemmen“. Offenbar hat mangelnde Konkurrenz auch die Preise nach oben getrieben. „Wir hätten uns etwas mehr Wettbewerb gewünscht“, sagte Scheller. Auch hätten die Unternehmen bauliche Risiken höher bewertet als die Charité. Der Auftrag war vor einem Jahr europaweit ausgeschrieben worden.

Der Gesamtpersonalratsvorsitzende der Charité, Carsten Becker, hält eine Kostenerhöhung für akzeptabel. „Das ist besser, als an der ohnehin schon knappen Kalkulation hinsichtlich der Qualität Abstriche zu machen“, sagte er.

Das Bettenhochhaus an der Luisenstraße wurde von 1977 bis 1982 errichtet. Erich Honecker kam persönlich zur Eröffnung des Prestige-Krankenhauses der DDR vorbei, inzwischen ist das 21-geschossige Gebäude völlig marode. Nach der Sanierung, die im Jahr 2016 abgeschlossen sein soll, sollen auf einer Gesamtfläche von 25 000 Quadratmetern rund 700 Betten zur Verfügung stehen – etwa 100 Betten mehr als bislang. Das wuchtige, rotbraune Haus soll auch seine Farbe wechseln und eine weiße Fassade erhalten. Während der Sanierungsarbeiten sind die Patienten in einer provisorischen Container-Klinik mit rund 340 Betten sowie an anderen Standorten der Charité untergebracht.

Auch dort besteht Modernisierungsbedarf: Das Uniklinikum Benjamin Franklin in Steglitz ist baufällig, und im Virchow-Klinikum in Wedding stehen in den nächsten Jahren Renovierungen an. Einhäupl sagt, für alle Baumaßnahmen bräuchte die Charité rund 600 Millionen Euro, doch der Senat hat bis 2014 nur 330 Millionen Euro bewilligt. Darin sind die Kosten für das Bettenhochhaus enthalten.