Die Fassade der Kapelle ist nicht mehr schön, die Technik versagt und das Dach hat auch Mängel. Der Flachbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche muss saniert werden. Ebenso der Glockenturm direkt daneben.

Die Bauten der von Egon Eiermann (1904–1970) entworfenen neuen Gedächtniskirche in der City West am Breitscheidplatz sind nach über 50 Jahren stark angegriffen. Dies überfordert die Kirchengemeinde. Jetzt hat Pfarrer Martin Germer einen Geldgeber gefunden. Die in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) ansässige Wüstenrot-Stiftung will die mit 1,4 Millionen Euro veranschlagten Kosten für die Sanierung der Kapelle im kommenden Jahr übernehmen. Und die Stiftung gibt auch Geld für die Arbeiten an den anderen Gebäuden. Am Mittwoch stellten Gemeinde und Stiftung die anstehenden Arbeiten vor.

Die rechteckige Kapelle ist eins von vier Gebäuden neben der historischen Turmruine. Die Hauptkirche hat 1 000 Sitzplätze. In der Kapelle können 100 Menschen an Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten und Veranstaltungen teilnehmen. Bei dem Gebäude gebe es eine ganze Reihe baulicher Probleme, sagte Pfarrer Germer. Toiletten, Lüftungs- und Beleuchtungsanlagen müssten erneuert, Holzfurniere sowie Teile der Stahl- und Glasfassade überarbeitet werden. Ein etwa drei Meter breiter, die Kapelle umlaufender Garten soll wieder wie ursprünglich mit Kletterrosen bepflanzt werden. Die typischen Betonwaben müssen saniert und ein Holzraster erneuert werden.

Am 53 Meter hohen sechseckigen Glockenturm seien die Betonwabenfelder in noch viel stärkerem Maße schadhaft, sagt Pfarrer Germer. Kletterer haben bereits lockere Teile entfernt, damit Passanten nicht von herabfallenden Teilen getroffen werden können. Der Neue Turm soll ab Mai eingerüstet werden. Bis Ende des Jahres werden die Kosten für die notwendigen Arbeiten ermittelt. 100 000 Euro für diese Studie bezahlt die Wüstenrot-Stiftung. Für die eigentliche Sanierung gibt es noch keinen Geldgeber.

Aber auch damit ist es nicht getan: Auch die Grundsanierung des die Kirchengebäude umgebenden Plateaus und die Wiederherstellung der ursprünglichen Pflasterung kosten die Kirche Geld – weitere 1,4 Millionen Euro. „Das Geld haben wir weitgehend aus Fördermitteln zusammen“, sagte Pfarrer Germer. Was noch fehle sei der Eigenanteil der Gemeinde von 250 000 Euro. Und dann wird ja ohnehin gerade die Turmruine saniert. Im kommenden Sommer sollen die Arbeiten beendet sein. „Die Kirche ist eine Dauerbaustelle, wie der Kölner Dom, nur in kürzeren Abständen. Alle 15 bis 20 Jahre muss etwas gemacht werden. Die Alternative, nichts zu tun, gibt es nicht“, sagt Germer.

Die Wüstenrot-Stiftung fördert Projekte in Forschung, Kunst, Bildung und Denkmalpflege. Besonders interessiert sie sich für Denkmäler der Nachkriegsmoderne. „Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche ist das wahrscheinlich bedeutendste Kirchenensemble nach 1945. Wir wollen dieses junge Denkmal für zukünftige Generationen erhalten“, sagt Phillip Kurz, Geschäftsführer der Stiftung.