Berlin - Es geschah am 13. Dezember 2012 im Bahnhof Friedrichstraße. Plötzlich stürzten 25 Kilo Beton aus dem Bahnsteigbereich am Gleis 4 durch die Rigipsdecke in die Halle. Zum Glück wurde niemand verletzt. Doch die täglich 217.000 Bahnhofsnutzer müssen die Folgen bis heute ausbaden. Zwischen Bauzäunen, unter geöffneten Decken, haben sie weniger Platz als früher. Nun zeichnet sich das Ende der Arbeiten ab.

„In den kundenrelevanten Bereichen wollen wir im Herbst 2017 fertig sein“, teilte Friedemann Keßler von Deutsche Bahn (DB) Station & Service am Mittwoch mit. Auch andere Bahnhofsprojekte in Berlin kommen voran, sagte er.

Anfangs hatte die Bahn gehofft, dass sich das Arbeitspensum im Bahnhof Friedrichstraße in Grenzen hält. Aber bald wurde klar: Alle 244 Lager, auf denen die beiden Bahnsteige des Regionalverkehrs ruhen, mussten umgebaut werden. Während der Sanierung des Gebäudes in den 90er-Jahren wurden sie „nicht richtig konstruiert“, hieß es.

"Darum haben wir vor allem nachts gearbeitet"

Die Stahlteile bedeuteten für den Beton, auf dem sie ruhen, eine hohe Punktbelastung. Auf Dauer hielt der Beton das nicht aus – und so kam es zu dem spektakulären Unglück. Die Lager wurden so ergänzt, dass der Druck seitdem stärker verteilt wird.

„Inzwischen haben wir die Lagersanierung erfolgreich beendet“, bilanzierte Keßler, der für alle Bahnhöfe in Berlin und Brandenburg zuständig ist. Auch mit der Wiederherstellung der Decken kämen die Bauleute voran. Noch fehlen vielerorts Deckenplatten, schauen Fahrgäste sowie Einkaufsbummler auf Beton und Stahlkonstruktionen: „Doch rund 50 Prozent der Deckenfelder sind schon geschlossen worden.“ Was die Zahl der täglichen Fahrgäste und Besucher anbelangt, steht der Bahnhof Friedrichstraße in Berlin auf Platz zwei – nur am Hauptbahnhof ist mehr los, heißt es von der DB. „Darum haben wir vor allem nachts gearbeitet“, sagte Keßler.

Dass die Arbeiten, die ursprünglich 2016 enden sollten, immer noch andauern, liegt auch daran, dass das Bauvorhaben erweitert worden ist. „Wir erneuern auch die Sicherheits- und andere Haustechnik – alles in einem Rutsch“, erklärte der DB-Mann. 8,2 Millionen Euro werden investiert. 2018 soll alles fertig sein.
Insgesamt gibt die Bahn bis 2021 rund 562 Millionen Euro aus, um Bahnhöfe in Berlin zu modernisieren. In Brandenburg summieren sich die Investitionen auf 104 Millionen Euro. Das Geld kommt vom Bund, den Ländern und der DB, zum Teil auch von der Europäischen Union und den Kommunen. Folgende Projekte stehen auf der Liste:

S-Bahnhof Landsberger Allee: Bis Herbst 2017 werden Gleise und Böschungen gereinigt, Graffiti entfernt. Auch ein Teil des Zugangsbereichs, der schmutzig und vernachlässigt wirkt, wird neu gestaltet. Allerdings nur der Westteil, für den die DB zuständig ist, sagte Keßler. Für die anderen Abschnitte seien der Bezirk und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) verantwortlich. „Mit ihnen werden wir jetzt sprechen: Könnt Ihr auch etwas tun?“

S-Bahnhof Greifswalder Straße: Auch hier wird gereinigt und gemalert, werden Schmierereien entfernt und Tauben vergrämt, so der Bahnhofschef. Ende: Herbst 2017.

S-Bahnhof Nöldnerplatz: Die Station in Lichtenberg bekommt ebenfalls Besuch von Bau- und Malertrupps. Auch hier soll im Herbst alles fertig sein, teilte Keßler mit.

S-Bahnhof Marzahn: In der Station, die täglich von 11.000 Reisenden genutzt wird, stehen von September 2017 bis April 2019 Bauarbeiten an. Die Fußgängerbrücke wird erneuert und zum Wiesenburger Weg verlängert. Kosten: 3,4 Millionen Euro.

S-Bahnhof Frankfurter Allee: Die 2,7-Millionen-Euro-Sanierung, die 2015 begann, dauert länger als geplant. „Es gab eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Denkmalschutz, bei dem wir mit einem neuen Akteur zu tun haben“, hieß es. Im Sommer werden die ersten Läden den Mietern übergeben.

Bahnhof Wannsee: Mit seiner achteckigen Halle und den spitzen Fensterausschnitten gehört das expressionistische Empfangsgebäude von 1928 zu den schönsten Bahnhöfen in Berlin. Doch es wirkt vernachlässigt. Das werde sich ändern, sagte Keßler. Anstelle der Leuchtstofflampen mit ihrem kalten Licht werden im Sommer neue Strahler montiert. Maler- und Renovierungsarbeiten sind ebenso geplant wie neue Beetbepflanzungen. Fertigstellung: Juli.

Bahnhof Schöneweide: Hier ziehen sich dieArbeiten bis Ende 2021 hin, so die DB. Ab Sommer 2018 müssen die Fahrgäste über mehrere Monate Umwege in Kauf nehmen, weil dann die Bahnsteige umgebaut werden.

Bahnhof Spandau: Über Jahre sparte die DB bei der Reinigung des Glasdachs – Schmutz und Schlieren sind deutlich zu sehen. Inzwischen hat die DB ein Reinigungsgerät gekauft, doch es erwies sich als nicht stark genug. Nun wurde für 75.000 Euro ein zweiter Roboter erworben, der einen höheren Wasserdruck garantiert. Er soll im Sommer anfangen. Keßler: „Wir sind startklar.“