Die Freude klingt recht verhalten. „Es wird noch ein Weilchen dauern, bis ich was tun kann am Müggelturm“, sagt Matthias Große. Der 45-jährige Immobilienunternehmer aus Köpenick will das Wahrzeichen seines Stadtteils, das seit mehr als zehn Jahren verfällt, wieder zum attraktiven Ausflugsziel machen. Den Kaufvertrag für den 29 Meter hohen Aussichtsturm und die 6000 Quadratmeter Fläche drumherum hat er längst mit dem Liegenschaftsfonds abgeschlossen.

Doch noch gehören Turm und Gelände einem anderen – dem Krefelder Discobetreiber Marc Förste, der vor sechs Jahren alles vom Liegenschaftsfonds gekauft hatte. Er bezahlte den Schnäppchenpreis von 25.000 Euro, riss das einstige Ausflugslokal am Turm ab – und machte sich ansonsten rar. Der Liegenschaftsfonds verlor schließlich die Geduld und kündigte im vergangenen Jahr den Kaufvertrag. Dagegen legte Förste Berufung ein. Am heutigen Dienstag wollte darüber das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheiden. Doch die Verhandlung wurde kurzfristig abgesagt.

„Das Gericht hat erklärt, dass die Berufung von Herrn Förste keinen Erfolg haben wird“, sagte die Sprecherin des Liegenschaftsfonds Irina Dähne der Berliner Zeitung. Jetzt müsse der Noch-Eigentümer die Rückübertragung im Grundbuch ans Land Berlin veranlassen. Dähne: „Dann wird der neue Kaufvertrag mit Herrn Große wirksam.“ Der Köpenicker steht sozusagen in den Startlöchern. Er sagt, dass er die Unterlagen fürs Bauamt bereits fast fertig hat. „Doch realistischerweise gehe ich von einem Baubeginn frühestens im April 2014 aus.“

Im Bezirksamt ist man angetan von Großes Müggelturm-Plänen. „Er will dort keine Luftschlösser bauen, sondern das Gebiet schlicht und ergreifend wieder zu einem attraktiven Ausflugsziel machen“, sagt Bürgermeister Oliver Igel (SPD). Mit Restaurants, in denen italienisch gekocht wird, es aber auch Currywurst und Broiler geben soll. Events wie Abibälle bis Lesungen mit „Tatort“-Kommissaren und Sportler-Talkrunden sind ebenso geplant. Weil Matthias Große der Lebensgefährte von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein ist, sollte für ausreichend Kontakte gesorgt sein. In der siebenstelligen Investitionssumme, die der Investor veranschlagt, ist auch ein Pool vorgesehen. „Ein Jahr nach Baubeginn kann alles fertig sein“, sagt Große. Das wäre also irgendwann Mitte 2015.

Der Noch-Eigentümer dürfte seine 25.000 Euro, die er einst als Kaufpreis zahlte, längst wieder drin haben: Vom Betreiber des Imbiss-Kioskes am Müggelturm verlangte er monatlich 500 Euro Pacht. Bei sechs Jahren macht dies 36.000 Euro Einnahmen. Matthias Große kauft Turm und Gelände übrigens zum Verkehrswert. Der bleibt geheim, dürfte aber weitaus geringer sein.