Knapp zwei Jahre vor der angekündigten Stilllegung des Flughafens Berlin-Tegel wird dort noch einmal kräftig investiert. Obwohl der Airport im zweiten Halbjahr 2017 geschlossen werden soll, lässt die Flughafengesellschaft FBB nun rund 19?Millionen Euro verbauen. Die Arbeiten hätten begonnen, teilte Flughafensprecher Ralf Kunkel der Berliner Zeitung mit. Kurz vor Schluss erfüllt die FBB in Tegel nicht nur lang gehegte Wünsche von Fluggästen – etwa nach mehr Parkplätzen und besseren Toiletten. Sie muss auch darauf reagieren, dass die Bausubstanz inzwischen oft verschlissen und die Technik veraltet ist.

Wäre der neue Hauptstadt-Flughafen BER 2012 pünktlich in Betrieb gegangen, hätte sich das Staatsunternehmen FBB die Investitionen sparen können. Weil der BER aber immer noch nicht fertig ist, muss Tegel jedes Jahr immer neue Verkehrszuwächse verkraften. Nach aktuellen Prognosen könnte sich die Fluggastzahl in diesem Jahr auf 21,1 Millionen summieren – ein Zuwachs um 1,9 Prozent. Die Zahl der Starts und Landungen soll auf 185.000 steigen – das ist sogar ein Plus von fast vier Prozent.

Die Belastung zeigt sich darin, dass die Parkplätze in Tegel nicht mehr reichen. So gab es im vergangenen Jahr an rund 40 Tagen keinen freien Platz mehr. Der Suchverkehr blockiert Zufahrten und Rettungswege. „Derzeit verfügt Tegel über knapp 2700 Stellplätze“, so Kunkel. In Köln/Bonn, wo pro Jahr halb so viele Passagiere abgefertigt werden, gibt es 12.500. „Wir prüfen verschiedene Optionen“, sagte der Sprecher. Dem Vernehmen nach könnten mehr als 200?neue Parkplätze entstehen.

Toiletten sollen saniert werden

Auch ein weiteres Dauer-Ärgernis muss die Flughafengesellschaft angehen, weil sich immer mehr Passagiere und Airline-Beschäftigte beschweren. Laut Kunkel sollen in den Terminals C und D, die unter anderem von Air Berlin und Germanwings genutzt werden, Toiletten saniert werden. Im gesamten Flughafen würden „Sanitäranlagen, wo möglich, aufgestockt“.

Während des ersten Erneuerungsprogramms, bei dem in Tegel 2013 sogar mehr als 20 Millionen Euro investiert wurden, hatte die FBB lediglich die Sanitärbereiche in den Terminals A und E auf einen modernen Stand bringen lassen. In den anderen Terminals tragen übel riechende Alt-Anlagen dazu bei, dass Passagiere einen schlechten Eindruck von Berlin bekommen.

Keine Neubauten sondern Sanierungen

Die Technik, die innerhalb des wichtigsten Berliner Flughafens Gepäckstücke befördert, stößt ebenfalls immer häufiger an ihre Grenzen. Internen Informationen steigt die Zahl der Ausfälle jährlich um ein Drittel. Das wirkt sich negativ auf die Pünktlichkeit aus, weshalb sich Fluggesellschaften beschweren. Die FBB muss nun auch hier reagieren. Die Gepäckfördertechnik im Terminal A, Gate 8 bis 13, werde erneuert, sagte Kunkel. „Neubauten oder Erweiterungen sind jedoch nicht geplant.“

Auch für Anlagen, auf denen Flugzeuge unterwegs sind, lassen sich Erneuerungen nicht mehr länger aufschieben. So ist die Startbahn Süd zum letzten Mal 1998 von Grund auf instand gesetzt worden. Seitdem ließen Reparaturen an mehreren hundert Stellen ein Flickwerk entstehen, das zu Sicherheitsproblemen führen könnte – vor allem bei Nässe. Darum wurde Anfang Mai damit begonnen, einen Belag aufzutragen, der die Griffigkeit erhöht. Im Sommer soll er fertig sein, kündigte Kunkel an.

Die Liste der Dinge, die angepackt werden müssten, ist noch viel länger. Es geht auch um verschlissene Fahrbahndecken auf Zufahrten und in Parkhäusern, in die Nässe eindringt. Oder um 40?Jahre alte Feuerlösch- und andere Wasserleitungen, die verkalkt sind und brechen. „All das packen wir nun an“, so Kunkel. Damit Tegel bis 2017 durchhält.