Berlin - Da gibt’s nur eines: weiträumig umfahren! Und hoffen, dass die Bahnen auf den Alternativstrecken nicht zu voll sind. Eine der wichtigsten S-Bahn-Trassen Berlins fällt im neuen Jahr für dreieinhalb Monate aus. Der Nord-Süd-Tunnel und die angrenzenden Abschnitte werden wegen Bauarbeiten vom 16. Januar bis in die Nacht zum 4. Mai 2015 gesperrt, teilte die Deutsche Bahn (DB) am Mittwoch mit. „Dreieinhalb Monate – das wird bei vielen Fahrgästen Erschrecken hervorrufen“, gestand Jens Hebbe von der S-Bahn ein. Doch angesichts des Arbeitspensums sei dieser Zeitraum knapp bemessen.

Drei S-Bahn-Linien, stark frequentierte Stationen wie Potsdamer Platz und Friedrichstraße, 4 800 Fahrten pro Woche, rund 100.000 Fahrgäste pro Tag: Das ist der Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn. Mit den oberirdischen Abschnitten, die sich an das sechs Kilometer lange Bauwerk aus den 1930er-Jahren anschließen, gehört er zu den unverzichtbaren Teilen des Nahverkehrsnetzes. Doch 2015 müssen die Fahrgäste ohne ihn auskommen, denn zwischen Gesundbrunnen und Yorckstraße wird gebaut.

So kommen die Reisenden trotzdem an ihre Ziele: Der wichtigste Ratschlag lautet, sich für seine Strecke eine alternative Verbindung zu besorgen – online zum Beispiel bei www.vbb.de oder telefonisch unter 297-43 333. „Ab Sonnabend sind alle Daten im Internet hinterlegt“, sagte Detlef Speier von der S-Bahn.

Baustellen auch bei der U-Bahn

Nur in wenigen Fällen wird der Computer vorschlagen, den Ersatzverkehr zu nutzen – die Busse sind lange unterwegs. Stattdessen wird er meist anregen, auf den Ring oder U-Bahn-Linien wie die U 6 und U 8 auszuweichen. Allerdings könnte es dort voll werden, noch voller als jetzt schon. „Zusätzliche Fahrten wird es bei der U-Bahn nicht geben können“, bedauerte Markus Falkner, Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Wie berichtet, fehlen Wagen. Zudem wird auch bei der U-Bahn gebaut. So gibt es auf der U 6 im Januar und März/ April abschnittsweise Pendelverkehr, auf der U 7 im Januar ist sogar Ersatzverkehr mit Bussen vorgesehen. Ab Mitte April wird die U 2 westlich vom Gleisdreieck unterbrochen. „Wir stimmen uns mit der S-Bahn ab. Doch bei einem so langen Zeitraum lassen sich Überschneidungen nicht vermeiden“, so Falkner.

Warum muss die Nord-Süd-Strecke schon wieder gesperrt werden? Schließlich war sie zuletzt erst 2013 lange zeit dicht, weil abgefahrene Schienen getauscht wurden. „Das waren Arbeiten, die nicht aufschiebbar waren“, erklärte Hebbe. „Sie konnten mit dem, was nun ansteht, nicht gebündelt werden.“

Und was steht nun an? Da hat Andreas Holzapfel von DB Netz einiges aufzuzählen. „Zum Beispiel müssen wir zehn Weichen am Potsdamer Platz und neun Weichen am Nordbahnhof austauschen“, sagte der Ingenieur. „Zwischen Nordbahnhof und Gesundbrunnen weren vier Kilometer Gleis erneuert.“

Damit die S-Bahnen im kurvigen Tunnel nicht quietschen, werden neun Schienenschmierapparate getauscht, und vier neue kommen hinzu. Außerdem gibt es rund 2 500 neue Leuchtstoffröhren und 45 Projektionsflächen werden an die Wände geschraubt – auf sechs S-Bahn-Stationen sehen wartende Fahrgäste künftig Werbefilme.

Warum kann die S-Bahn nicht wenigstens auf einem Gleis weiterfahren? Aus Sicherheitsgründen und weil der Bau sonst noch länger dauern würde, hieß es bei der DB. „Im Tunnel gibt es nur wenig Platz, die Verhältnisse sind sehr beengt“, erklärte Holzapfel. Und zwar so beengt, dass auch die Weichen nicht in einem Stück angeliefert werden können. Sie müssen in Einzelteilen von den Umschlagplätzen Greifswalder Straße und Marienfelde auf die Baustelle gefahren werden.

Danach ist erst mal Ruhe

Ursprünglich sollte der S-Bahn-Betrieb im Tunnel von Januar bis März 2015 unterbrochen werden. Dass die Sperrung nun so lange dauert, liegt nicht nur daran, dass bei der Totalüberholung so viel gemacht werden muss. „Es liegt auch daran, dass die Abnahmen zum Teil recht lange dauern“, so Hebbe. Das neue Zugsicherungssystem, das ebenfalls montiert wird, muss umfassend geprüft werden. Das dauert mehrere Wochen, so lange sind keine Bauarbeiten mehr möglich.

Immerhin einen Trost gibt es. Wenn die lange Bauliste abgearbeitet ist, bleibt den Fahrgästen weitere lange Tunnelsperrungen erst einmal erspart, versprach Jens Hebbe. Hoffentlich behält er Recht.