Sanierungsstau: Viele Brücken und Straßen in Berlin wurden vernachlässigt

Berlin - Mindestens 80 Brücken in Berlin haben so viele Schäden, dass sie in der nächsten Zeit von Grund auf saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden müssen. Darauf hat die Bauwirtschaft hingewiesen. „Berlin lebt schon seit Jahrzehnten aus der Substanz“, sagte Axel Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Berlin-Brandenburg. „Berlin muss den enormen Sanierungsstau abbauen“, forderte Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau. Gemeinsam stellten sie ihren Forderungskatalog zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses vor.

Nicht nur die Brücken leiden unter Vernachlässigung und der Planlosigkeit einer Verwaltung, die nicht mal ein Zustandskataster besitzt. „Unzählige Kilometer Straße wurden über Jahre hinweg nicht instand gehalten. Ebenso weist das Wasser- und Abwassersystem zum Teil schwerwiegende Schäden auf“, steht in dem Parlamentarierbrief, den die Verbände nun versenden.

Mehr Geld für Ämterpersonal

Auch die Schulen hätten einen enormen Sanierungsbedarf, sagte Dellmann. Benötigt werde nicht nur eine kontinuierliche Finanzierung, sondern auch ein vernünftiges Gebäudemanagement. „Die Bezirke sind überfordert“, so der frühere Brandenburger Infrastrukturminister. „Wir fordern eine zentrale Organisationsform, die für Sanierung und Instandhaltung sowie für den Schulneubau zuständig ist.“ Hamburg sei dafür ein gutes Beispiel .

Zu professionellen Behörden gehöre auch Fachpersonal, das Baufirmen auf Augenhöhe begegnet. Auch daran mangele es in Berlin – was damit zu tun hat, dass die Verwaltung als unattraktiver Arbeitsplatz gilt. „Eine höhere Vergütung wird notwendig sein“, so Dellmann. Es mangele aber auch an „Führungskultur“, an guter Organisation und klaren Vorgaben. „Berlin wächst rasant. In zehn Jahren werden rund vier Millionen Menschen in Berlin wohnen.“ Darauf müssen sich Politik und Verwaltung einstellen: Das ist die Hauptforderung der regionalen Bauwirtschaft an den neuen Senat.