Sauberes Geschäft: Senat plant Bio-Toiletten ohne Wasserspülung für Berlin

Wer in Berlin unterwegs ist und plötzlich ein dringendes Bedürfnis verspürt, hat ein Problem. Eine öffentliche Toilette, auf der er womöglich sogar kostenlos sein Geschäft verrichten kann, wird er nicht so schnell finden. Der Berliner Senat hat diese Not erkannt und ein neues Toilettenkonzept erarbeitet.

Es sieht unter anderem vor, den Betrieb der Berliner Toilettenhäuschen, die bisher von der Wall AG betreut werden, neu auszuschreiben. Ein bisher unbekannter Aspekt der Planungen ist die Einführung von Bio-Toilettenhäuschen. Diese „Trockentoiletten“ haben keine Wasserspülung, sondern ein Kompostierungssystem.

„Trockentoiletten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit“

Wie weit die Überlegungen gediehen sind, wurde am Dienstag durch eine Senatsantwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen bekannt. „Der Senat bereitet derzeit die Umsetzung des mit den Bezirken erarbeiteten Toilettenkonzepts für die Zeit ab 2019 vor“, teilte Umweltstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) mit. Wichtig sei es dabei, innovative Techniklösungen in den Blick zu nehmen. „Trockentoiletten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und haben die Nische der Öko-Pioniere schon lange verlassen“, so Kirchner. In den verschiedenen Varianten, als Trocken- oder Kompostklo, seien sie ressourcensparend und umweltfreundlich.

Bei Trockentoiletten handelt es sich um Sanitäranlagen, die ohne jeglichen Einsatz von Wasser auskommen und die Fäkalien in einem nachhaltigen Kompostierungsprozess verwerten. Dabei werden häufig Hilfsstoffe wie zum Beispiel Holzspäne verwendet, die zusätzlich Geruchsprobleme vermeiden, wie man sie von Plumpsklos kennt. In einem Punkt haben Bio-Toiletten den vollautomatischen City-Toiletten aber nichts voraus. Nach einer ersten Kostenschätzung des Senats können sie, so Kirchner, nicht preiswerter betrieben werden als konventionelle Modelle. Sie seien zwar günstiger in der Anschaffung, müssten aber bereits nach zehn Jahren ersetzt werden. Konkrete Geldbeträge nannte Kirchner nicht.

Vorreiter Basel und Hamburg

Bei seinen Planungen kann sich der Berliner Senat an den Erfahrungen anderer Städte im In- und Ausland orientieren. So gehören die Kompost-Toiletten des Schweizer Herstellers Kompotoi in Basel bereits zum Stadtbild. Sie sehen den zylindrisch geformten Berliner City-Toilettenhäuschen sehr ähnlich, haben allerdings eine Holzverkleidung.

Schlechte Erfahrungen machte die Stadt Hamburg im Frühjahr dieses Jahres mit einem Pilotprojekt zu Bio-Toiletten. Sie investierte 200.000 Euro in den Bau eines wasserlosen Toilettensystems auf einem Spielplatz. Der Modellversuch wurde von der Technischen Universität Hamburg-Harburg wissenschaftlich begleitet. Doch die Toilette funktionierte nicht, die Umwandlung der Fäkalien in Dünger erwies sich als zu aufwendig. Das Häuschen blieb die meiste Zeit geschlossen. Damit die Spielplatznutzer trotzdem ihre Notdurft verrichten konnten, stellte die Stadt zwei Dixie-Toiletten auf.

Um erst einmal eigene Erfahrungen zu sammeln, wird der Berliner Senat nicht sofort alle Toilettenhäuschen ökologisch umrüsten. Nach Angaben von Staatssekretär Kirchner soll es neben einem Modellprojekt in Lichtenberg mit fünf Trockentoiletten zunächst noch vier weitere Bio-Toiletten im Stadtgebiet geben. Drei dieser Klohäuschen sollen ihren ersten Standort an Badestellen erhalten. Die Bezirke würden allerdings ermuntert, so Kirchner, „darüber hinausgehende Planungen eigenständig umzusetzen“.

130 Millionen Euro eingeplant

Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) will außerdem, wie berichtet, den Betrieb aller bisher bestehenden 257 öffentlichen Toiletten neu ausschreiben. Sie beklagt, dass 24 Prozent dieser Toiletten nicht funktionierten. Deshalb soll deren Zustand in den nächsten Jahren verbessert und der Bestand ausgebaut werden. Nach einer Interimsphase sollen Berliner ihre Notdurft auf 366 öffentlichen Toiletten verrichten dürfen. Die Verwaltung rechnet für die Ausbauphase und den Betrieb im Laufe von 15 Jahren mit Kosten von bis zu 130 Millionen Euro. Der bisherige WC-Betreiber Wall AG geht davon aus, seinen bis Ende 2018 bestehenden Vertrag noch erfüllen zu können.

Von einem künftigen Betreiber werde, so Staatssekretär Kirchner am Dienstag, zwar kein umfassender Einsatz von Trockentoiletten gefordert, aber „ein hoher ökologischer Standard“. Bei Bau und Betrieb der Toilettenhäuschen sollen ausschließlich umweltverträgliche Materialien verwendet werden dürfen. Wünschenswert seien außerdem der Einsatz erneuerbarer Energien, Wasserrecycling und der Einbau eines ressourcenschonenden Toilettensystems. In der Anschaffung seien Sanitärsysteme, die eine Verwertung von Inhaltsstoffen des Abwassers ermöglichen, sogar kostengünstiger als Standard-Modelle.