Berlin - Auf dem Hof der Andersen-Grundschule in Gesundbrunnen, im harten Soldiner Kiez, stehen große Schachfiguren aus Plastik. Kein Wunder, hier lernt jeder Erst- und Zweitklässler aus pädagogischen Gründen Schach spielen.
Gut 60 besonders begabte Schüler werden während ihrer gesamten Grundschulzeit besonders im Schachspielen gefördert, machen bei Turnieren mit. Denn Schach macht schlau. Da ist sich die kommissarische Konrektorin Kerstin Andersson sicher. „Die Konzentrationsfähigkeit steigt, die Kinder sind fokussierter und lernen spielerisch, Probleme zu lösen“, sagt sie.

Auch Malik aus der 4a und Yussuf aus der 3b sind in der Schach-AG, die oft bis 16.30 Uhr dauert. „Wer Schach spielen kann, schreibt bessere Noten“, sagt Malik. Und Yussuf meint: „Vor allem in Mathe.“ Malik stimmt zu, er wolle später sogar mal Mathe-Lehrer werden, sagt er noch. Yussuf tendiert eher zu Designer.

Natürlich sei das Schachspielen auch Teil der Sprachförderung und beziehe die Eltern mit ein, sagt Konrektorin Andersson. „Schach ist auch in türkisch- und arabischstämmigen Familien beliebt und hoch angesehen.“ Das Spiel stammt aus Nordindien und Persien, verbreitete sich im Mittelalter über die arabische Expansion.
Seit 2010 kooperiert die Schule mit den zwei Schachprofis Swantje Munser und Harald Fietz, seit drei Jahren ist dieses Schach-Angebot fester Bestandteil des Schulprofils. Nun erhält die Schule von der Bildungsverwaltung sogar 35 000 Euro pro Jahr für das besondere Projekt. Denn die Einrichtung ist nun offiziell eine sogenannte BegaKurs-Schule.

Teil der Begabtenförderung

An insgesamt 26 Schulen, jeweils zwei pro Bezirk sowie zwei zentral verwalteten Schulen, werden solche Begabtenkurse jetzt eingeführt, zusätzlich zum Regelunterricht. Insgesamt steht dafür in diesem Jahr eine Summe von einer Million Euro zur Verfügung. „Wir wollen auch versteckte Talente finden“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Begabtenförderung sei für sie ein Teil der Inklusion. Andere Kurse fördern darstellerisches, sprachliches, gesellschaftswissenschaftliches oder handwerkliches Talent. Künftig soll das Angebot noch ausgebaut werden. Es ist Bestandteil des Begabtenförderungskonzeptes der Bildungsverwaltung.

Schachexpertin Munser spielt an diesem Tag mit einer ausgewählten Schülergruppe. Manchmal überlegen die Kinder ganz schön lange, bis sie den nächsten Zug machen. Das sei eben anders als an der Spielkonsole oder bei Handyspielen, sagt sie. Lehrer betonen, dass über die zusätzlichen Schachkurse ältere Schüler bereits den Weg in Pankower Gymnasien geschafft hätten. In das Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Prenzlauer Berg zum Beispiel, wo man plant, Schach demnächst sogar als Abiturfach anzubieten. Ohne das Schachspiel wären diesen Schülern aus Gesundbrunnen das vermutlich nicht gelungen.