Berlin - Wenn Ratten über Straßen und Plätze huschen, kann ein Spaziergang durch Berlin schnell zum Ekel-Erlebnis werden. In überquellenden Mülltonnen oder auf den Müllplätzen so mancher Gaststätte finden sie reichlich Nahrung. Mehr als 7000 Mal sind Schädlingsbekämpfer im vergangenen Jahr laut amtlicher Statistik ausgerückt, fast doppelt so oft wie im Vorjahr. Zu erklären sei dieser starke Anstieg möglicherweise mit der seit 2011 geltenden Schädlingsverordnung, sagt Biologe Uwe Stutzke vom Landesamt für Gesundheit und Soziales. Denn die schreibt eine Meldung an die Ämter nun vor.

Dem Berliner Landesverband der Schädlingsbekämpfer zufolge waren die Kammerjäger sogar noch häufiger unterwegs. Laut dem Vorsitzenden Mario Heising verzeichneten allein die 20 Mitgliedsfirmen im vergangenen Jahr 9 130 Ratten-Einsätze. Und in Berlin gebe es etwa 80 Firmen. Längst nicht alle Hauseigentümer meldeten den Befall oder die Bekämpfung, so entstehe die große Diskrepanz zwischen den Zahlen, sagt Heising.

Die Kosten trägt der Eigentümer

Wie viele Ratten es in Berlin gibt, weiß niemand. Eine Zählung habe es noch nie gegeben, sagt Stutzke. Eine Rattenplage sehe er nicht, betont aber: „Ausrotten können wir die Ratten nicht. Wir können den Bestand nur eindämmen“. Jeder Berliner, der einen Rattenbefall entdeckt, könne ihn dem Gesundheitsamt melden.

Stutzke zufolge sind Immobilieneigentümer verpflichtet, Schädlingsbekämpfer einzusetzen. Tun sie das nicht, ordnen die Behörden einen Einsatz an. Die Kosten trägt dann der Eigentümer. Die Schädlingsbekämpfer arbeiten laut Heising mit Giftködern und nehmen dafür 150 bis 300 Euro.

„Wir müssen die für Ratten günstigen Bedingungen ungünstiger machen“, betont Biologe Stutzke. Besonders dort, wo Müll herumliege, aber auch in offenen Kellern fühlten sich die Tiere wohl. Gefährlich seien die Nager, die gern in Kanälen unterwegs sind, vor allem als Krankheits- und Keimüberträger.

Das Rattenbild stimmt nicht

Erst im März berichteten Veterinärmediziner der FU, dass multiresistente Darmkeime bei Berliner Ratten etwa so stark verbreitet seien wie bei Patienten in Krankenhäusern. Fast jedes sechste Tier trägt demnach Escherichia coli-Bakterien in sich. Eine Übertragung der Keime auf den Menschen sei bislang noch nicht nachgewiesen.

Etwa jeder zehnte Einsatz der Schädlingsbekämpfer betrifft die Kanalisation. „Das Bild von der Ratte, die dort lebt, stimmt aber so nicht“, betont die stellvertretende Sprecherin der Berliner Wasserbetriebe, Astrid Hackenesch-Rump. Vielmehr seien die unterirdischen Wege nur eine sichere Transportroute. Die Wasserbetriebe haben ihre eigenen Schädlingsbekämpfer. Die hängen fast täglich einen Giftköder auf, zu 90 Prozent auf Bitten der Gesundheitsämter, wie Hackenesch-Rump sagt. Zurzeit gebe es rund 150 Einsatzorte, unter anderem am Alexanderplatz und der Hasenheide. (dpa)