Putz ist abgeschlagen, die Fenster sind blind vom Dreck. Manche sind eingeschlagen. Am Mauerwerk kriecht die Nässe empor, an einigen Stellen hat sich sogar ein Algenbesatz gebildet. Die beiden Häuser in der Königswinterstraße in Karlshorst bieten einen furchtbaren Anblick. „Ein Schandfleck“, regt sich Gerda Tiemer auf, die in dem Viertel wohnt. Die Ruinen fallen umso mehr auf, weil alle Wohnhäuser in der Umgebung schön hergerichtet sind.

Nur an diesen beiden Eckhäusern hat sich wie auch an zwei weiteren Objekten in der Nähe seit über 20 Jahren nichts mehr getan – seit die Berliner Garnison der russischen Truppen aus Karlshorst hier ausgezogen ist. „Als Bauzäune an den Häusern aufgestellt worden sind, da dachten wir, endlich geht es los“, sagt Gerda Tiemer. „Doch das war inzwischen auch schon vor ein paar Jahren.“ Michael Laschke von den Geschichtsfreunden Karlshorst verweist darauf, dass die in den 20er-Jahren errichteten Häuser sogar unter Denkmalschutz stehen.

Hinter einem der Bauzäune hat jemand sinnloserweise ein halbes Dutzend Bio-Tonnen abgestellt. Ein paar Meter weiter zaust der Wind eine Art Gedenkblatt – ein Stück Papier, in eine Plastikfolie eingeschweißt. Es erinnert an Rudolf Mandrella, einen Köpenicker Amtsgerichtsrat und katholischen Nazigegner, der 1943 im Zuchthaus Brandenburg wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung hingerichtet wurde. Auch kein würdiger Anblick.

Die Übergabe des Karlshorster Standortes erfolgte im Sommer 1994 bei flotter Marschmusik. Es sei bewundernswert, wie „der vereinbarte Abzug der Streitkräfte umgesetzt wurde“, befand der damalige Bundesfinanzminister Theo Waigel. Der war der neue Besitzer des 28 Hektar großen militärischen Areals rechts und links der S-Bahn in Karlshorst. Die Grundstücke gingen in den Besitz des Bundes über. Der hat die meisten seiner Liegenschaften inzwischen an Investoren verkauft – bis auf die vier Objekte.

Über die konnte er nicht verfügen. Sie befinden sich noch immer im Besitz der russischen Präsidialverwaltung. „Es ist aber unser Ziel, das hier wieder Wohnungen entstehen“, sagt Birgit Monteiro, die Bürgermeisterin von Lichtenberg. Der Bezirk möchte die Gebäude nicht selbst erwerben, habe aber einen Interessenten.

Wenig Zuversicht

Den habe man schon 2012 mit den russischen Behörden in Verbindung bringen wollen, sagt Monteiro. Ein Brief wurde an die russische Botschaft geschrieben. „Eine Antwort haben wir nicht erhalten.“ Zurückhaltend reagierte ein Jahr später auch das Auswärtige Amt, als es um Hilfe gebeten wurde. „Offenbar hält man unser Anliegen für heikel“, mutmaßt die Bürgermeisterin. „Wir haben aber immer wieder Anfragen von Bürgern, was mit den Häusern geschehen soll.“

Sie wolle natürlich eine einvernehmliche Lösung, versichert die Bürgermeisterin. „Da wir mit den Briefen bislang keinen Erfolg hatten, überlege ich in Abstimmung mit dem Senat einen anderen Weg.“ Sie möchte das Problem möglichst bald vom Tisch haben. Aber besonders zuversichtlich scheint sie angesichts der bisherigen Erfahrungen dann doch nicht.