Berlin - Ganz offensichtlich hat sich Jimi Blue Ochsenknecht, der jüngste Sohn von Schauspieler Uwe Ochsenknecht, nicht lange geziert. Erst Anfang März hatte sein Vater erzählt, dass er zusammen mit dem größeren Bruder Wilson Gonzalez daran arbeitet, dass auch Jimi Blue endlich nach Berlin zieht. Und schon ist der da. Er kennt sich nach anderthalb Monaten als Neu-Berliner in der Stadt allerdings noch nicht so gut aus und fährt, trotz unserer Verabredung im Café Einstein Unter den Linden, zunächst in das Einstein in der Kurfürstenstraße. Mit einer knappen halben Stunde Verspätung trifft er dann doch noch Unter den Linden ein und erfreut sich am Anblick eines Schwarzweißporträts von Johnny Depp, das dort hängt. Der fällt ihm nämlich (neben Robert De Niro) auf die Frage nach dem schauspielerischen Vorbild ein. Wir kommen über einige andere Bilder ins Gespräch, die an den Wänden des Kaffeehauses hängen, darunter Dennis Hopper und Billy Wilder, die wie das Depp-Porträt vom Fotografen Christian Schulz stammen, der auch das Bild von Jimi Blue Ochsenknecht für diesen Text gemacht hat. Das bringt den 20-Jährigen auf diesen Gedanken: „Hoffentlich hänge ich hier auch mal.“

Eine Schauspielschule besuchte er nie

Am Freitag wird er in einer Episodenhauptrolle der Folge „Schamlos“ der ZDF-Serie „Der Kriminalist“ zu sehen sein. „Ich spiele einen Schüler, der in Verdacht gerät, ein Mädchen entführt und ermordet zu haben.“ Mehr wird noch nicht verraten. Die Arbeit mit den Kollegen war für ihn aufregend: „Am ersten Drehtag bin ich immer sehr nervös. Man kennt niemanden und weiß nicht genau, was einen erwartet.“ Umso wichtiger ist es, gut vorbereitet anzutreten. Eine Schauspielschule hat er nie besucht, aber professionelle Hilfe nimmt Ochsenknecht junior, der schon mit acht Jahren neben seinem Vater in „Erleuchtung garantiert“ spielte, regelmäßig in Anspruch: „Ich habe für jede Rolle Coaching.“

Jetzt steht Jimi Blue Ochsenknecht für einen Monat auf Mallorca vor der Kamera. Gedreht werden neue Folgen von „Checker“ für Cartoon Network, eine Wissenssendung für Kinder. „Ich lerne dabei auch viel“, sagt Jimi Blue, der den Hauptschulabschluss hat. Ansonsten hat er aufs Büffeln allerdings gar keinen Bock. Und hauptsächlich deshalb noch keinen Führerschein. „Meine Eltern sagen, dass ich den jetzt bald brauche. Dann könnte ich ja auch mal meine Schwester in die Schule fahren. Aber ich habe keine große Lust aufs Lernen.“

Berlin hat zu wenige gute HipHop-Clubs

Hat er vielleicht auch die Lust an der Musik verloren? Immerhin ist es dreieinhalb Jahre her, dass sein jüngstes Album „Sick Like That“ erschien. „Nein, da kommt noch was. Hat sich bloß noch nicht ergeben. Ich mache aber weiter.“

Dass er in der Öffentlichkeit viel angestarrt und auch immer wieder mit Fotohandys geknipst wird, stört ihn nicht. „Ich habe damit kein Problem, sonst hätte ich mir ja auch den falschen Beruf ausgesucht. Nur wenn ich esse, möchte ich in Ruhe gelassen werden. Und früh am Morgen, denn ich bin ein Morgenmuffel.“ In Berlin gibt es für seinen Geschmack zu wenige gute HipHop-Clubs. Er lobt nur einen: „Die Tube-Station in der Friedrichstraße finde ich ganz gut. Da kriege ich jetzt vielleicht immer einen Drink umsonst, wenn das in der Zeitung steht.“ Derzeit wohnt er wieder bei Mutter in der Nähe vom Lützowplatz. Er wolle sich eine Wohnung suchen, wenn er dafür Zeit habe, sagt er.

Jimi Blue Ochsenknecht verabschiedet sich mit dem Hinweis auf eine Buchvorstellung seiner Mutter, auf der er für die Gäste auflegen wird: „Augen zu und durch.“ Das klingt jetzt wie eine Frechheit gegen seine Mutter. Ist es aber nicht. Er stellt klar: „So heißt das Buch.“