Die Schießausbildung der Berliner Polizei kann derzeit kaum regulär stattfinden. Von 19 Schießständen, an denen mit scharfen Waffen trainiert werden kann, sind seit dem Sommer zehn nicht benutzbar. In acht Anlagen wurden in den Wänden lungengängige Fasern, ähnlich wie Asbest, gefunden, die unter Verdacht stehen, Krebs erzeugen zu können. Zwei weitere Anlagen sind unter anderem gesperrt, weil die Entlüftung repariert werden muss. Diese Zahlen präsentierte am Montag der Polizeiausbilder Klaus Boenicke den Parlamentariern des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus. Sie hatten ihre Ausschusssitzung in die Landespolizeischule an der Charlottenburger Chaussee in Spandau verlegt.

120 Schuss

Die Einschränkungen bei den Schießständen betrifft nicht nur die aktuell 1600 Auszubildenden, sondern auch die rund 17.000 Beamtinnen und Beamte, die ein bis dreimal im Jahr mit der Waffe üben müssen und dabei bis zu 120 Schuss abgeben. Es gibt schon erste Pläne zur Sanierung, sie werde aber insgesamt Jahre in Anspruch nehmen, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt am Montag. Der Investitionsbedarf, um sämtliche Schießstände komplett zu sanieren, beträgt den Angaben zufolge 17 Millionen Euro.

Doch nicht nur die Ausbildung an der Waffe ist problematisch. Der Berliner Polizei fehlt insgesamt genügend und geeigneter Nachwuchs. Bis 2022 werden mehr als 6200 Polizisten pensioniert. In den nächsten Jahren wird daher die Zahl der Auszubildenden von 1600 auf gut 2500 aufgestockt, die jährlichen Einstellungen sollen von knapp 600 auf fast tausend neue Polizeianwärter steigen.

Zu wenig geeignete Kandidaten

Das Problem: Laut dem Chef der Polizeischule, Harald Wunderlich, gibt es zu wenig geeignete Kandidaten. Für tausend Azubistellen werden 15.000 Bewerber gebraucht, um eine gute Auswahl treffen zu können. Gut ein Viertel scheitert schon am Deutschtest, darunter auch Abiturienten, weitere zwanzig Prozent sind nicht fit genug für die körperlichen Anforderungen.

Neben fast 150 Ausbildern braucht die Polizeischule in Spandau auch ein neues Haus, Investition: zehn Millionen Euro. Zudem müssten Sporthalle und Schießstand erweitert werden, was zusätzlich 2,4 Millionen Euro kosten würde. Die Summen stehen aber noch nicht im Landeshaushalt.