Berlin - Auch in Berlin diskutieren Araber über die politische Lage in Syrien. Ein Streit über Syriens Präsident Assad, der auf das eigene Volk schießen lässt, ist in der Nacht zu Donnerstag in einem Neuköllner Café eskaliert. Kurz vor Mitternacht waren im Lokal an der Sonnenallee zwei polizeibekannte arabische Großfamilien aneinandergeraten.

Der Streit, bei dem es nach Aussagen mehrerer Beteiligter um Politik ging, verlagerte sich auf die Straße. Es wurde geprügelt, und plötzlich zog mindestens ein Beteiligter eine Pistole und schoss. Die Widersacher verfolgten sich durch mehrere Straßen, dabei fielen weitere Schüsse. Verletzt wurde niemand. Nach Angaben eines Polizeisprechers durchschlug ein Projektil allerdings eine Fensterscheibe im 4. Stock eines Wohnhauses.

Inzwischen hatten Anwohner die Polizei gerufen, die mit einem Großaufgebot anrückte. Die Beamten verfolgten die Gruppe der flüchtenden Angreifer und nahmen zwei 20-Jährige und einen 25-jährigen Mann fest. Gefasst wurde auch der mutmaßliche Schütze, ein 36-jähriger Libanese, der auf einen 56-jährigen Deutschen libanesischer Herkunft geschossen hatte.

Magazin leer gefeuert

Die Polizei sperrte das Areal weiträumig ab. Beamte sammelten mehrere Projektile und Hülsen ein. An der Fuldastraße entdeckten sie in einer Baumrabatte die weggeworfene Tatwaffe – eine tschechische Pistole, deren Magazin leer gefeuert war. Die Waffe wird nun untersucht. Das für Organisierte Kriminalität zuständige Kommissariat beim Landeskriminalamt ermittelt jetzt wegen versuchten Totschlags.

Wie viele der Beteiligten geschossen haben, ist noch unklar. Zeugen erzählten, dass zehn Mal geschossen wurde. Das Magazin der gefundenen Waffe fasst nur acht Patronen. „Möglicherweise hatte der Schütze nachgeladen oder es wurde noch eine weitere Schusswaffe eingesetzt“, sagte ein Ermittler. Einen Zusammenhang zu der Tat, bei der in der vergangenen Woche in Neukölln ein 22-Jähriger erschossen wurde, sieht die Polizei nicht.