Zweifel lässt Jürgen Loch, der Geschäftsführer von Berlins größter Reederei Stern und Kreis Schifffahrt (zum Video), gar nicht erst aufkommen: „Wir starten immer zu Ostern in die Saison.“ Und daran ändert sich auch in diesem Jahr nichts, obwohl die Temperaturen kaum über null Grad liegen und auch noch nicht alle Wasserstraßen eisfrei sind.

„Es gibt schon jetzt überall Fahrten am Wannsee, in Tegel und in Treptow sowie durch die historische Innenstadt“, sagt Loch. Es sei aber möglich, dass im Bereich des Wannsees einige Kanäle noch zugefroren sind und zum Auftakt nicht befahren werden können.

Stern und Kreis ist am Montag in seine Jubiläums-Saison gestartet – das Unternehmen wurde vor 125 Jahren am 8. 8. 1888 gegründet. Dem derzeit noch nicht so günstigen Wetter kann der Geschäftsführer aber auch eine positive Seite abringen. Gerade jetzt könnte eine Schiffstour einen besonderen Reiz haben. „Wann fährt man schon über Havel und Spree und sieht auf schneebedeckte Landschaften und Eis an den Ufern. Das sind Bilder, die man sonst nicht erleben wird“, sagt Loch.

Rock und Feuerwerk

Gefeiert wird das Reederei-Jubiläum vom 8. bis 11. August im Treptower Hafen. Was genau die Besucher dort am ersten Tag erwartet, will Loch nicht verraten, es solle eine Überraschung werden. Am Freitag ist Musik und Tanz geplant, am Sonnabend wird es Rock auf der Hafenbühne geben sowie das traditionelle Feuerwerk Treptow in Flammen. Am Sonntag ist eher der Tag für Familien mit Kinderfest, Schminken, Malen und Basteln.

Mehr als 1,2 Millionen Fahrgäste sind im vergangenen Jahr mit Stern und Kreis auf den Berliner Gewässern unterwegs gewesen und damit etwa gleichviele wie im Jahr zuvor. Damit zählt das Unternehmen zu den drei Attraktionen mit den meisten Besuchern. Nur der Zoo hatte mehr Gäste, der Fernsehturm am Alexanderplatz hatte etwa ebenso viele Besucher wie Stern und Kreis.

Angesichts von mehr als 30 Reedereien in Berlin ist eine weitere Steigerung der Fahrgastzahlen aber kaum noch möglich, auch das Programm der Schiffstouren wird sich in den kommenden Jahren kaum ändern, sagt Loch. „Der Schiffsverkehr gerade in der Innenstadt ist an seiner Kapazitätsgrenze.“ Neue Wasserstraßen werden nicht mehr gebaut, und weitere Anlegestellen werden auch nicht mehr genehmigt.

Humboldthafen mit Potenzial

Einzig der Humboldthafen gleich neben dem Berliner Hauptbahnhof hat für Loch noch Potenzial und könnte künftig auch für die Fahrgastschifffahrt genutzt werden. Noch bis Ende dieses Jahres werden dort die Wände des Hafenbeckens erneuert. An den Ufern sind Neubauten geplant, erst vor wenigen Tagen hat dort der 130 Millionen Euro teure Bau für die Berliner Zentrale der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers begonnen.

Wie Loch sagt, könnten im Humboldthafen vielleicht zwei neue Anleger für Fahrgastschiffe entstehen. Das hänge aber vor allem von den Planungen der Investoren ab, die die Grundstücke einmal erwerben werden.

Neu in Dienst genommen wurden von Stern und Kreis in diesem Jahr die MS Alexander von Humboldt für etwa 280 Gäste, sie verfügt über eine LED-Lichtdecke mit 12 000 Lichtpunkten, sowie die MS Nofretete für etwa 160 Passagiere. Beide Boote sollen überwiegend als Charterschiffe eingesetzt werden. Zudem verfügt die Reederei mit der Havel Queen sowie der Moby Dick über zwei behindertengerechte Fahrgastschiffe, die das Signet „Berlin barrierefrei“ erhalten haben.