Schild in Weißensee: Putzpaten retten Werner Klemke

Vor zwei Wochen schrieb ich an dieser Stelle einen wütenden Text. Er handelte vom wunderbaren Zeichner Werner Klemke, von einem Park, der nach ihm benannt wurde und von einer schönen und recht neuen Informationstafel, die von Schmierfinken verschandelt wurde. Wenige Tage nach Erscheinen des Textes bekam ich eine Email.

Der Verfasser der Mail war der Direktor des Derag-Living-Hotels, das sich gleich neben dem Park befindet. Er berichtete mir, dass einige Anwohner versucht hätten, das Schild zu reinigen, es aber nicht ganz sauber bekommen hätten. Noch am Vorabend habe er eine Bürgerin gesehen, die sich mit Tuch und Spiritus an den Resten abgemüht habe, jedoch vergeblich. 

Daraufhin, so der Direktor weiter, habe die Hotelleitung geeignete Reinigungsmittel organisiert und das Schild gründlich gesäubert. Weil jedoch zu befürchten sei, dass es erneut beschmiert würde, habe das Hotel eine Putzpatenschaft übernommen. 

Die kleine Bedrückung über die – leider wohl realistische – Einschätzung, dass die Schmierfinken erneut zuschlagen, hielt nicht lange an. So groß war meine Freude über den Einsatz der Anwohner, einschließlich der Hotelleitung. 

Mittlerweile hat der Direktor auch Kontakt zu Christine Klemke aufgenommen, der Tochter Werner Klemkes, die mit ihren Malkursen in seinem Atelier und den umliegenden Schulen mit großem Einsatz schon die Kleinsten an die Kunst heranführt. Zusammen möchte man nun dafür sorgen, dass die Infotafel mithilfe einer Schutzschicht zukünftig schwerer zu beschmutzen oder wenigstens leichter zu reinigen ist. 

Was man genau angesehen hat, zerstört man nicht

Einige Werke der Kinder, die Christine Klemke unterrichtet, kann man zur Zeit in der Wolf-Dietrich-Schnurre-Bibliothek in Weißensee bewundern. Bei der Ausstellungs-Midissage vor einigen Tagen hielt Klemke eine berührende kleine Rede darüber, was sie die Kinder über das Handwerk hinaus lehren möchte. Wer etwas malen will, sagte sie sinngemäß, muss es sich vorher genau ansehen. Und das, was man sich genau angesehen hat, zerstört man nicht. 

Kunst als eine Schule der Achtsamkeit - die Welt genau zu betrachten, bewahren und zu beschützen ist eine Sichtweise, die denen, die schmieren und sprühen, fremd ist. Aber, das zeigt der weitere Verlauf dieser kleinen Geschichte um ein einzelnes Schild, sehr vielen Menschen ganz und gar nicht. Und dafür gebührt ihnen Dank.