Schiller-Bibliothek in Wedding: Eine Bibliothek für 300.000 Besucher

Berlin - Während sich die große Koalition noch über den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek für 270 Millionen Euro uneins ist, geht es auf Bezirksebene ein wenig bescheidener, dafür aber schneller zu. Neben dem Rathaus Wedding in der Müllerstraße hat in dieser Woche der Bau der neuen Schiller-Bibliothek begonnen. Sie wird die zentrale Bibliothek für den Stadtteil Wedding sein. Sabine Weißler (Grüne), Kulturstadträtin im Bezirk Mitte, rechnet dort künftig mit mehr als 300.000 Besuchern im Jahr.

Dass in Berlin eine neue Bezirksbibliothek gebaut wird, kann man schon als kleine Sensation bezeichnen. Denn seit der Bezirksfusion im Jahr 2001 wurden in der Stadt Bibliotheksstandorte gleich dutzendweise geschlossen – von den einst 150 Bibliotheken gibt es nur noch gut 70. In Mitte wurde etwa die Bertolt-Brecht-Bibliothek im Rathaus an der Karl-Marx-Allee dicht gemacht, ebenso die Jerusalem-Jugendbibliothek. Die Hugo-Heimann-Bibliothek wiederum wird in die Schiller-Bibliothek integriert.

Drei Geschosse und große Fenster

Die Schiller-Bibliothek ist derzeit im früheren Tagungssaal der Bezirksverordneten im Rathausneubau untergebracht. Dort sind die Flächen zu klein, Pläne für eine Erweiterung wurden vor Jahren aufgegeben. Denn der Bezirk hat – um Schulden abzubauen – seinen Rathausturm samt Saal an das Land abgetreten, der Komplex wird nun als Standort für das Jobcenter hergerichtet.

Nur wenige Meter entfernt entsteht dafür die neue Schiller-Bibliothek. Den dreigeschossigen Bau setzen die Architekten vom Büro AV1 aus Kaiserslautern vor eine riesige Brandwand. Das Haus erhält großzügige Fenster, so dass die Besucher auf die Grünflächen rings um das Rathaus sehen können. So stellen es sich die Architekten vor. Wie Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sagt, seien Bibliotheken nicht nur Bauprojekte, sondern auch „Treffpunkte, um Gedanken und Wissen auszutauschen“. Der Standort sei wunderbar, weil das Areal am Rathaus sowie die Müllerstraße aufgewertet werde.

Der Neubau kostet knapp 6,2 Millionen Euro, finanziert wird er aus den Förderprogrammen „Bibliotheken im Stadtteil“ und „Aktive Zentren“ sowie EU-Mitteln. Im Erdgeschoss wird die Kinderbibliothek eingerichtet, in der Etage darüber der Bereich für Erwachsene. Ins 2. Obergeschoss zieht die Jugendmedienetage aus der Swinemünder Straße. Außerdem gibt es Lesesäle sowie auf allen Geschossen Arbeits- und Leseplätze. Der separate Veranstaltungsraum soll etwa für Lesungen genutzt werden, aber auch Vereinen und Schulen zur Verfügung stehen, sagt Stadträtin Weißler.

Wie Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) betont, wird mit der Bibliothek der Bildungsschwerpunkt an diesem Ort zusammen mit der Beuth-Hochschule gestärkt. Zudem wird ein neuer Verbindungsweg zwischen der Hochschule und dem Leopoldplatz neu angelegt. Ein entsprechender landschaftsplanerischer Wettbewerb für die Gestaltung des Rathausumfeldes soll in diesem Monat entschieden werden. Ende 2014 soll die neue Schiller-Bibliothek eröffnen.