Schimmel, Riss im Dach: Carl-Kraemer-Grundschule in Gesundbrunnen bis April geschlossen

Der Sanierungsstau an den Berliner Schulen wird immer akuter, auch wenn dem Senat nun deutlich mehr Geld für umfassende Renovierungen zur Verfügung steht. Jüngstes Beispiel ist die Carl-Kraemer-Grundschule in Gesundbrunnen. Über Monate versuchten die Verantwortlichen die Schließung der Schule abzuwenden. Doch nachdem in der vergangenen Woche auch noch die Deckenabhängung gewackelt hat und abzustürzen drohte, beschloss Mittes Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU) nun die Komplettschließung der Altbaus in der Zechliner Straße.

„Aus Gründen der akuten Gefahrenabwehr muss die schadhafte Deckenabhängung in den Klassenräumen erneuert werden“, sagte Carsten Spallek. „Für diese können wir keine Gewähr für die Stabilität übernehmen, aufgrund des altersbedingten Zustandes.“ Doch das ist noch nicht alles: Beim Austausch der Deckenplatten wurde darüber hinaus ein Riss in der obersten Geschossdecke festgestellt. „Wir können nicht einschätzen, ob dies Einfluss auf die Statik hat“, räumte Spallek ein. Genaueres müsse jetzt ein Gutachter prüfen.

Man könnte meinen, der Schulbesuch sei für Berliner Kinder mittlerweile in einigen Einrichtungen lebensbedrohlich. Erst Ende Oktober war an der Spandauer Carlo-Schmid-Sekundarschule die Zwischendecke samt Metallleisten in das sonst gut besuchte Foyer der Schule herabgestürzt. Flächendeckend. Zum Glück, muss man sagen, geschah das am Ende der Herbstferien, so dass keine Schüler zugegen waren. Mittes Stadtrat Spallek betonte nun, dass er es nicht so weit wie in Spandau kommen lassen wollte.

Eine der ärmsten Gegenden Berlins

Mit der Carl-Kraemer-Schule hat es nun eine Ganztagsgrundschule in einer der ärmsten Gegenden Berlins, dem Soldiner Kiez, getroffen. Dort haben die Kinder eine verlässliche Lernatmosphäre sicher besonders nötig. Doch statt in die nahe Schule zu gehen, werden die Kinder ab Mittwoch erst einmal auf mehrere Standorte verteilt. Mit Bus-Shuttles, aus der Bezirkskasse finanziert, werden sie hin- und hergefahren.

Die unteren Klassen nutzen dann Räume an der Gebrüder-Grimm-Grundschule, die älteren Schüler lernen in den nächsten Monaten weit entfernt im Modularen Ergänzungsbau an der Chausseestraße. Als Ersatzstandort steht auch noch die Rudolf-Wissell-Grundschule zur Verfügung.

Stadtrat Spallek verspricht, dass das Stammgebäude nur bis zum Ende der Osterferien am 6. April geschlossen bleibt und dann wieder öffnet. Das allerdings bezweifeln einige der betroffenen Lehrer doch sehr. Der Stadtrat betont, dass es an der Schule aber auch noch Räume gibt, die unbedenklich genutzt werden können.

Hinter Bauplanen schwer zu finden

Ein Besuch vor Ort am Montag bestätigte den desolaten Zustand des Gebäudes: Bauarbeiter montierten im Innenhof der Carl-Kraemer-Grundschule einen Lift, um das undichte Dach neu zu machen. Der Dachstuhl ist inzwischen derart von Taubenkot verunreinigt, dass er eigentlich nicht mehr betreten werden darf.

Derweil irrten einzelne Mitglieder einer Prüfungskommission durch den teilweise bereits gesperrten Bau. Die Schulleiterin hat ein provisorisches Büro bezogen, das hinter Bauplanen schwer zu finden ist. Dort findet nun die Abschlussprüfung eines Referendars statt.

Bereits Anfang Dezember waren Teile des Gebäudes gesperrt worden, weil der Schimmelpilzbefall aus dem Keller in die oberen Stockwerke gelangt war. Im Keller selbst war über Jahre ein Kunstraum, der bereits zuvor wegen Feuchte und Schimmel geschlossen wurde. Erschwerend kommt hinzu, dass die Panke in der Nähe fließt und der Grundwasserspiegel ansteigt. Der akute Sanierungsstau an Berliner Schulen beträgt nach Angaben der Bildungsverwaltung 1,6 Milliarden Euro. Für die Carl-Kraemer-Schule sind 7 Millionen Euro vorgesehen.