Berlin - Das kommt in Berlin selten vor: Ein prominentes historisches Gebäude wird wieder aufgebaut. Wie groß die Sehnsucht nach der verlorenen Bauakademie am Werderschen Markt war, beschrieb kürzlich Professor Jörg Haspel, Direktor des Berliner Landesdenkmalamtes, anhand einer Erinnerung an sein Architekturstudium in den 1970ern: Er habe geglaubt, das Bauwerk stünde noch, so präsent sei es gewesen. In Wahrheit hatte es die DDR-Führung 1962 abreißen lassen.

Prototyp moderner Architektur

Die Debatten der 90er-Jahre über die Neugestaltung des einstigen DDR-Herrschaftsforums mit Palast der Republik und Außenministerium ergaben: Die Bauakademie wollten so gut wie alle wiederhaben. Freunde der Moderne feiern das Werk des preußischen Beamten und Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) als Prototyp moderner Architektur; Anhängern der konservativen Moderne gefällt, dass Schinkel Traditionen aufgriff, statt beim Betreten der Zukunft das Vergangene abzuschneiden.

Nobilitierungen höchster Art hat Schinkels „roter Kasten“ erfahren: Meilenstein europäischer Baugeschichte wird er genannt, revolutionäres Bauwerk, Initial industriellen Bauens, Produkt eines Genies. Was also ist das Besondere an der Bauakademie? Wie ist sie entstanden? Unter welchen Umständen?

Guter Freund, gutes Grundstück

Lassen wir die Geschichte am 18. März 1799 beginnen, dem Tag, als die Ausbildung der Architekten und Ingenieure an der Allgemeinen Bau- und Unterrichtsanstalt startete. Noch hatte sie kein eigenes Gebäude, eines der ersten Provisorien wurde die (1886 abgerissene) Münze am Werderschen Markt.

Nach dem Willen von König Friedrich Wilhelm III. sollten an der Bauakademie „praktische Baubedienstete gebildet werden“ – „Professionisten“ statt Professoren. In die Münze zog praktischerweise auch die preußische Oberbaudeputation ein. Sie hatte alle staatlich finanzierten Bauten in Berlin und den Provinzen zu begutachten – ökonomisch, ästhetisch, funktional. Viele Lehrer der Bauakademie arbeiteten zugleich als Gutachter.

Karl Friedrich Schinkel (1781-1841)

Schinkel stand für beide Institutionen: Seit 1820 arbeitete er als Professor an der Bauakademie, 1830 stieg er zum Direktor der Oberbaudeputation auf. Da war er bereits ein berühmter Mann, hatte Bedeutendes wie die Friedrichswerdersche Kirche errichtet. Bei Hofe war er wohlgelitten.

Mit den beiden Ämtern, seinem Ruf, etlichen Reisen, vor allem 1826 zu den Pionieren der Industrialisierung in England, waren alle Faktoren beieinander, um wirklich Neues zu wagen. Hinzu kam ein Glücksfall: Schinkels Freund Christian Peter Beuth, seit 1818 im preußischen Innenministerium zuständig für Handel und Gewerbe, Direktor des 1821 gegründeten Gewerbeinstituts in der Klosterstraße, hatte 1830 die Leitung der Bauakademie übernommen. Beide trieben den Neubau voran. Zunächst mussten sie den König daran hindern, den erwählten Baugrund am Werderschen Markt an Privatleute zu verkaufen.

Die Fassade: von oben gebaut

Am 12. März 1831 beantragte Beuth, „den Bauplatz auf dem Gelände des alten Packhofes zu genehmigen“ – ein länglicher dreieckiger Platz voller Schuppen und Buden am Kupfergraben – doch in erstklassiger Lage in Sichtweite von Schloss, Kommandanten- und Zeughaus, im Herzen der Stadt.

Dem Antrag beigefügt lieferte Schinkel akkurate, in Tusche ausgeführte Entwürfe und einen Lageplan für die Bauakademie. Binnen dreier Wochen hatte der König alles genehmigt. Am 8. Februar 1832 lag das durchgerechnete Projekt fertig vor. Ein Jahr später begannen die Bauarbeiten. Heutzutage scherzen öffentliche Bauherren gern über das damalige Tempo.

Frei stehenden Solitär in Quaderform

Als Schinkel die Bauakademie entwarf, war er schon Direktor der Oberbaudeputation. Diese Position als Spitzenbeamter und nicht sein Lehr- und Architektenwerk verlieh ihm die Macht, für sich eine Dienstwohnung vorzusehen – 600 Quadratmeter im Obergeschoss.

Er wollte einen frei stehenden Solitär in Quaderform: vier Flügel, die einen Innenhof umgeben, vollständig aus heimischem Backstein. Friedrich Adler, Spezialist für Mittelalterbauten, schrieb 1869 begeistert: „Schinkel griff mit Herz und Hand zur alten Weise des märkischen Backsteinbauens zurück, um auch in der modernen Architektur in dem echten, unverhüllten Materiale wieder einen bleibenden Gehalt zu schaffen. Denn in der That hat der nordische Backsteinbau 300 Jahre lang geschlummert.“