Schinkelsche Bauakademie: Hans Wall erwägt 50-Millionen-Spende

Berlin - Für den Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie gibt es neue Hoffnung. Hans Wall, einst einer der bedeutendsten Unternehmer Berlins, erwägt, mit 50 Millionen Euro den Wiederaufbau des architektonischen Meisterwerks am Werderschen Markt zu finanzieren. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung äußerte er die Überlegung, die für die Rekonstruktion notwendige Summe aus seinem Privatvermögen zu geben.

Seit Jahren sucht der Senat nach einem Investor für das 1836 in seinerzeit bahnbrechender Ziegelbauweise errichteten, im Februar 1945 ausgebrannten Gebäudes, dessen Reste die DDR 1961 abriss. Hans Wall hatte vor acht Jahren schon einmal 15 Millionen Euro angeboten. Der Senat lehnte ab – zur Enttäuschung des Sponsors.

Spende für ein Glockenspiel

Man befürchtete, dass die Summe nicht ausreichen würde und man Geld zuschießen müsste. Nun trägt sich der Mäzen in neuer Dimension mit dem Gedanken. „50 Millionen – dann wäre ich sozusagen pleite“, sagt Hans Wall, „aber es wäre der Schlussstein für ein Unternehmerleben, die Erfüllung eines Traumes“.

An diesem Sonntag wird die Stadt die Folge einer anderen Spende des Mäzens erleben: Wall, Vorsitzender des Vereins „Denk mal an Berlin“, hat mit fast einer halben Million Euro aus seinem Privatvermögen das neue Glockenspiel der Parochialkirche bezahlt, das am Sonntag um 15 Uhr mit einem Konzert Premiere hat. Er sieht Turm wie Glockenspiel als Signal für den Wiederaufbau des alten Zentrums. Ihn schmerze es, dass 71 Jahre nach Kriegsende immer noch so viel unerledigt ist in der Stadt, sagt er. „Warschau und Danzig haben das alles vor Jahrzehnten getan.“

Der erfolgreiche Geschäftsmann hat sein Geld mit der Herstellung von hochwertigen Stadtmöbeln wie Warte-, Toiletten - und Telefonhäuschen und Außenwerbung verdient. Nicht nur Berlin, sondern 50 weitere Städte, von Boston bis Tel Aviv, stattete er aus. „Ohne die Architekten und Designer und ihre Entwürfe wäre das nicht möglich gewesen“, sagt er.

Dankbarkeit für den Berufsstand

Auch dafür möchte er etwas zurückgeben. Aus der Dankbarkeit für den Berufsstand resultiert auch Hans Walls Idee für die Nutzung des Schinkelbaus. Ihm schwebt eine Akademie für Design und Architektur vor, der Idee Schinkels und dem ursprünglichen Zweck folgend.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, äußerte sich positiv: „Mich freut, dass endlich wieder über den Wiederaufbau der Bauakademie gesprochen wird“, sagte er am Freitag der Berliner Zeitung. „Auch wenn ich die Pläne von Herrn Wall nicht kenne, so ist doch erstmal jedes Engagement von privater Seite für dieses Projekt grundsätzlich zu begrüßen.“ Nun müsse man sehen, welche Interessen es gebe. „Aber wenn ich die Debatte richtig deute, wird mein Plädoyer für ein Architekturmuseum mit den großartigen Berliner Sammlungen positiv aufgenommen.“