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BerlinBeim Schlafen im Vorraum einer Bank ist ein Obdachloser in Berlin-Charlottenburg laut Polizei angezündet worden. Der Mann habe in der Nacht zum Dienstag eine schwere Brandverletzung am Bein erlitten, teilte die Hauptstadt-Polizei mit. Das Hosenbein des 45 Jahre alten Mannes wurde demnach von einem Unbekannten angezündet. „Er gab den Polizistinnen und Polizisten an, dass er in dem Vorraum schlief und durch das Feuer an seinem Hosenbein wach wurde“, erklärten die Ermittler.

Anhand der Angaben des Opfers bestehe der Verdacht, dass ein flüchtiger Bekannter von ihm für die Tat in Frage komme, sagte ein Polizeisprecher. Dies werde nun geprüft. Es ermittelt ein Fachkommissariat der Kriminalpolizei. Hinweise auf Hasskriminalität lägen nicht vor, hieß es. Falls es Aufnahmen einer Überwachungskamera gebe, würden diese geprüft. Ein Kunde hatte die Polizei kurz nach Mitternacht zu der Bank in der Otto-Suhr-Allee gerufen. Er habe starken Brandgeruch wahrgenommen und mindestens zwei Obdachlose in dem Vorraum schlafen sehen, hieß es. Sowohl der Zeuge als auch der zweite Obdachlose waren bereits weg, als die Beamten eintrafen. Die Männer sollten sich bei der Polizei melden, sagte der Sprecher. Bei dem verdächtigen Bekannten handele es sich nicht um den zweiten Schlafenden.

Der 45-Jährige mit der Brandverletzung ist laut Polizei stationär in einem Krankenhaus aufgenommen worden und wird weiter behandelt. In Berlin waren in den vergangenen Jahren mehrfach Obdachlose angegriffen und auch angezündet worden. Nach einer Feuerattacke in Schöneweide im Juli 2018 starb eines der zwei Opfer - nach monatelangem Koma. Der Täter übergoss die auf dem Vorplatz des S-Bahnhofs sitzenden Obdachlosen nach einem Streit mit Benzin und zündete sie an. Er wurde wegen Totschlags und versuchten Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt. Für bundesweite Aufmerksamkeit hatte der Fall vom 25. Dezember 2016 gesorgt, als junge Flüchtlinge im U-Bahnhof Schönleinstraße einen schlafenden Obdachlosen anzündeten. Fahrgäste löschten die Flammen. Der obdachlose Pole überlebte. Ein 21-jähriger Syrier wurde später zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Die geschätzte Zahl der Obdachlosen in Berlin liegt zwischen 6000 und 10 000. Im Winter werden im Rahmen der Kältehilfe zwar Hunderte Schlafplätze angeboten. Manche Menschen wollen allerdings nicht in den teils großen Unterkünften schlafen, etwa weil Alkohol dort verboten und das Mitbringen von Hunden meist nicht erlaubt ist.