Dichtes Gestrüpp wuchert auf Gemüsebeeten und Gehwegen. Brauner Rost überzieht die Gartenzäune und Eingangstüren der Datschen. Die letzten Kleingärtner haben die Kolonie Einigkeit II in Treptow vor neun Monaten verlassen. Seither verwildern die 17 Parzellen.

Doch nicht deshalb ist die Anlage das große Gesprächsthema in den umliegenden Kolonien. Die Nachbarn reden über sie, weil die Staatsanwaltschaft das Grundstück beschlagnahmt hat. Es gehört zu den 77 Liegenschaften eines arabischen Clans, die jüngst einkassiert wurden. 

Die neuen Eigentümer

Die Kleingärtner von der anderen Seite des Ligusterwegs waren nicht allzu überrascht davon, dass sich die Justiz für das verfallende Areal interessiert. „Das ist eine ganz traurige Geschichte“, sagt Uwe Garten, Vorsitzender der benachbarten Kolonie Oberer Damm. Die Rentner, die zum Teil jahrzehntelang ihre Parzellen gepflegt hätten, seien regelrecht vertrieben worden.

„Sie bekamen aus heiterem Himmel die Kündigung zum 31. Oktober 2017“, so Uwe Garten. Anlass sei ein Eigentümerwechsel gewesen. Der Alteigentümer, eine heillos zerstrittene Erbengemeinschaft, habe die 6000 Quadratmeter große Anlage über einen Anwalt verkauft. „Als neue Eigentümer stellten sich südländisch aussehende Männer vor“, so Uwe Garten. Ihre erste Amtshandlung sei es gewesen, die Wasserleitung der Parzellen zu kappen und die Wasseruhr zu entfernen. 

Von einer unheimlichen Begegnung erzählt Ute J. Sie hat Angst vor dem Araber-Clan und will deshalb ihren vollen Namen lieber nicht nennen. „Einmal sah ich mehrere junge Leute, die sich am Zaun der Kolonie Einheit II zu schaffen machten“, sagt Ute J.

Daraufhin habe sie die Polizei gerufen und die vermeintlichen Einbrecher zur Rede gestellt. „Sie zeigten mir ein Dokument auf dem Handy, das sie als neue Eigentümer ausweisen sollte“, so die Kleingärtnerin. Die eintreffenden Polizisten hätten die Männer dann weggeschickt und ihnen gesagt, dass sie das Dokument im Original mitführen müssten. 

77 Immobilien im Wert von über 9 Millionen Euro beschlagnahmt

Die beängstigenden Begegnungen brachten die verbliebenen Gärtner ins Grübeln. Sie fragten sich, was die neuen Eigentümer mit einer ungenutzten Kolonie anfangen wollten. Bald kursierte das Gerücht, dass die Araber auch Kaufinteresse an der angrenzenden Kolonie Formosa hätten, um eine lukrative Wohnanlage zu errichten. Es heißt, dass Besitzer privater Einzelgärten unter Druck gesetzt worden seien, zu verkaufen. 

„Seit nun bekannt ist, dass die Neueigentümer zu einem berüchtigten Clan gehören, macht das alles Sinn“, sagt Uwe Garten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kauften die Araber insgesamt mindestens 77 Immobilien im Wert von mehr als neun Millionen Euro.

Keine Hinweise auf dubiose Geschäfte

Die Ermittler gehen davon aus, dass die jüngst beschlagnahmten Objekte mit Geldern aus Straftaten gekauft wurden. Diese Immobilien-Deals hätten, so die Staatsanwaltschaft, den Hauptzweck der Geldwäsche gehabt. In einigen Fällen seien Grundstücke bebaut und erworbene Gebäude saniert worden.

Einen Verdacht, dass in der Kolonie Einigkeit II dubiose Geschäfte laufen könnten, hatte man beim Bezirk Treptow-Köpenick nicht. „Es gab keine Beschwerden oder Hinweise“, so Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). Die Kolonie sei eine private Anlage und stehe nicht unter bezirklicher Verwaltung.

„Es ist durchaus denkbar, dass das Areal mit dem Ziel der Bebauung gekauft wurde, denn die vom Senat gewährten Schutzfristen für Kleingärten gelten dort nicht“, sagt Hölmer. Zwar schreibe der Flächennutzungsplan eine „Grünfläche mit kleingärtnerischer Nutzung“ vor, aber das sei nicht in Stein gemeißelt. 

Investoren würden, so Hölmer, derzeit vermehrt Grundstücke in der Hoffnung kaufen, dass Senat und Abgeordnetenhaus den Flächennutzungsplan in naher Zukunft ändern und die Areale für Neubau freigeben. Die Spekulation, dass eine leer gefegte Kolonie in Bauland verwandelt wird, könne aufgehen. Denn Berlin braucht dringend neue Wohnungen.