Berliner Sicherheitsbehörden haben am Montag ein weiteres Mitglied der Groß-Familie A. in Dänemark festnehmen lassen. Nachdem Oberhaupt Arafat A. bereits am vergangenen Dienstag verhaftet wurde, sitzt jetzt auch sein Bruder Yasser vorerst hinter Gittern. Er wurde per Haftbefehl gesucht. Yasser soll gemeinsam mit seinem Bruder Arafat unter anderem geplant haben, die Kinder des Musikers Bushido zu entführen.

Der Mann sei „dringend verdächtig, Verbrechen zum Nachteil von Familienangehörigen Bushidos“ geplant zu haben, teilten die Ermittlungsbehörden mit. Mona Lorenz von der Berliner Staatsanwaltschaft sagte dieser Zeitung, dass es dabei konkret um „räuberische Erpressung“ und „schwere Körperverletzung“ gehe. 

Zudem sei geplant gewesen, die Kinder des früheren Clan-Vertrauten Bushido zu entführen und diese erst „gegen eine Lösegeldzahlung in fünfstelliger Höhe“ wieder freizulassen. Der Haftbefehl gegen Yasser sei am selben Tag ausgestellt worden, an dem auch Arafat A. zur Festnahme ausgeschrieben wurde. Allerdings sei der Aufenthaltsort Yassers nicht bekannt gewesen, weshalb der Zugriff erst jetzt erfolgte.
In Dänemark endete nicht nur die Flucht des Clan-Mitglieds. Dort begannen auch die Ermittlungen, die letztlich zu den Festnahmen der Brüder führen.

Kinder nach Berlin geholt

Im vergangenen Herbst verließ die Partnerin von Yasser A. Berlin mit den gemeinsamen Kindern, nachdem sie sich von Yasser getrennt hatte. Über die Gründe der Trennung wurde viel spekuliert, eine offizielle Äußerung der Beteiligten gibt es nicht.

Ende 2018 sollen Yasser und Arafat A. dann, in diesem Punkt sind sich die Ermittler sicher, nach Dänemark gereist sein, um die Kinder zurück nach Berlin zu holen – was auch gelang. Die Mutter soll ihren Kindern nach Ermittlerangaben in Begleitung einiger ihrer Familienmitglieder nach Berlin gefolgt sein. Hier soll sie dann zur Polizei gegangen sein und eine umfassende Aussage gemacht haben.

Dabei soll sie den Behörden auch von den angeblich geplanten Angriffen auf Bushidos Familie sowie von der geplanten Entführung der Kinder des Musikers erzählt haben. Anschließend habe sie durchgesetzt, dass ihr „ihre eigenen Kinder wieder zugeführt werden konnten“, wie es polizeiintern heißt. Seit ihrer Rückkehr nach Dänemark stehen die Frau und ihre Kinder unter Polizeischutz. 

Clan-Oberhaupt bestreitet Vorwürfe

Ob Yasser A. bei seiner Festnahme am Montag erneut versucht hat, seine Kinder zu sich zu holen oder nicht, ist bislang nicht bekannt. Als gesichert gilt hingegen, dass der Berliner Clan enge Familienbindung in das skandinavische Land hat. Möglicherweise hatte sich Yasser also einfach bei Verwandten versteckt, nachdem sein Bruder Arafat letzte Woche in einem Berliner Gericht verhaftet wurde.

Der als Clan-Oberhaupt geltende Mann hatte die schweren Vorwürfe vor seiner Verhaftung bestritten und auf seiner Facebook-Seite mitgeteilt, ihm seien „schlimme Dinge“ unterstellt worden. „Ich hätte Kinder auslöschen wollen, Morde beauftragt, will Kinder entführen – sowas kann ich nicht in der Welt stehen lassen. So bin ich nicht“. Alles würde „friedlich geklärt“ werden.

Anna-Maria Ferchichi, die Ehefrau von Bushido, behauptet immer wieder das Gegenteil. Im März 2018 gab das Ehepaar Ferchichi dem Stern ein Interview. Bushido erklärte darin, dass und warum er sich nach rund 15 Jahren wirtschaftlich und emotional von seinem Freund Arafat getrennt habe. Anna-Maria Ferchichi sprach in dem Interview von kriminellen Machenschaften des Clans und von der Angst, die sie vor diesem habe. 

Gericht muss entscheiden

Auf ihrer Instagram-Seite wurde sie in der Vergangenheit noch deutlicher. Im vergangenen September schrieb Frau Ferchichi an Arafat A. gerichtet: „Wir sind Eltern von fünf Kindern! Vergiss nie, ich würde alles tun, um das zu schützen! ALLES! Ich bin bereit, dich dahin zu bringen, wo du hingehörst – ins Gefängnis.“ 

Ob das Clan-Oberhaupt tatsächlin in Berlin Haft bleiben wird, ist nun Sache der Gerichte. Im Fall von Yasser A. muss zunächst ein dänischer Richter über eine Auslieferung des Mannes nach Deutschland entscheiden. Wie schnell das geht, hängt auch vom Festgenommenen selbst ab. Sollte er seiner Auslieferung zustimmen, könnte er in den nächsten Tagen nach Berlin gebracht werden.

Unterdessen drohen Bushido, dem mutmaßlichen Opfer im aktuellen Fall, Geschäftsschwierigkeiten. Der Shootingstar der deutschen Hip-Hop-Szene, Capital Bra, trennte sich aufgrund der aktuellen Vorfälle von Bushido und dessen Plattenlabel „Ersguterjunge“. Vladislav Balovatsky, so der bürgerliche Name von Capital Bra, sagte am Mittwoch in einem auf seiner Instagram-Seite veröffentlichten Video: „Das hier ist kein Promo-Move. Das hier ist traurig. Ich bin nicht mehr EGJ, da mein Label-Boss (Bushido, die Red.) mit der Polizei arbeitet.“ Dass er „Polizeischutz“ bekommen habe, könne man zwar „irgendwo noch verstehen, seine Kinder waren in Gefahr“. Aber es sei „traurig, was dieser Mann seinem Team angetan“ habe. „Jetzt scheißt er (Bushido, die Red.) Leute an. Die Leute gehen in den Knast.“ Bushidos Team sei nun „die Polizei“.