Schlagloch-Gefahr: Durch nicht-instand-gesetzte Straßen häufen sich Unfälle

Den Polizeibericht lese ich immer sehr aufmerksam. Vor elf Tagen bekam ich dabei einen Riesenschreck. Eine Radfahrerin (73) war in Steglitz wegen eines Schlaglochs gestürzt und musste mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus.

Das hat mich sehr getroffen, ich bin oft in der Stadt mit dem Rad unterwegs. Und ich leide mit der Dame. Wie kann so etwas geschehen, fragte ich Bezirksstadträtin Maren Schellenberg (Grüne). „Solche Unfälle passieren glücklicherweise eher selten“, antwortete sie. „2017 gab es drei Schadensersatzansprüche durch Unfälle von Radfahrern.“ Insgesamt stellten Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger 31 Schadensersatzansprüche in Steglitz-Zehlendorf. Trotzdem, jeder Unfall ist natürlich einer zu viel.

Flickschusterei auf Fahrbahnen

Die Sache ließ mir keine Ruhe, ich ging in die Rothenburgstraße, kurz hinter der Grunewaldstraße. Der Unfall dort geschah an einem Freitag um 15 Uhr – hell, normaler Verkehr, rekonstruierte ich, während ich wütend die tellerförmigen Vertiefungen im Asphalt betrachtete. Es kann überall geschehen, weiß ich, selbst wenn der Bezirk im Rahmen des Straßeninstandsetzungprogramms in diesem Jahr 2,77 Millionen Euro für großflächige Fahrbahninstandsetzungen hatte.

Das reicht nicht, kritisiert auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). Ein tragischer Unfall. Man solle so etwas unbedingt der Polizei melden, sagte Sprecher Nikolas Linck. „Damit sich was ändert.“ Das fordert auch ADAC- Verkehrsexperte Jörg Becker: „In Berlin wird die Fahrbahn nicht systematisch, Abschnitt für Abschnitt, saniert. Es ist häufig Flickschusterei. Hier und da wird Instand gesetzt, immer dort, wo es gerade brennt.“ Die alten Radwege am Gehwegrand seien noch viel gefährlicher. „Sie sind oft verwahrlost. Wir als ADAC fordern, dass auch diese systematisch saniert werden. Das umfasst auch die Anhebungen durch Baumwurzeln. Es ist zu befürchten, dass die Gefahr in den Wintermonaten weiter zunehmen wird, wenn durch Frost über Nacht neue Schlaglöcher auftauchen.“

Unfallstellen dokumentieren

Für den Fall der Fälle, wie sind meine Schadensersatzansprüche, erkundige ich mich bei ADAC-Verkehrsfachanwalt Marcus Gülpen. „Nach Ansicht des Landgerichts Rostock (Az. 10 O 656/11) muss die Kommune, das Land oder ein anderer Träger der Straße haften, wenn bekannt ist, dass auf rund 500 Metern 15 bis 20 Schlaglöcher mit einer teilweisen Tiefe von sieben bis acht Zentimetern existieren. Wir raten Verkehrsteilnehmern, die durch ein Schlagloch ihr Fahrzeug beschädigen oder gar einen Unfall bauen, alle Schäden sowie die Unfallstelle auf jeden Fall umfangreich zu dokumentieren und sich Zeugen zu suchen.“

Mir wird ganz anders. Beim Radeln schaue ich inzwischen genauso oft auf den Boden wie nach vorn. Und überall sehe ich nun nur noch Schlaglöcher. Sie auch? Schicken Sie uns Ihr Schlagloch-Foto mit Ortsangabe und Ihrer Telefonnummer tagsüber an: leser-blz@dumont.de